Deutsches Q4-BIP – Rückgang kein Ausreißer

Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal um 0,3% gegenüber dem dritten Quartal ist kein Ausreißer.

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Dr. Jörg Krämer

Commerzbank Economic Research

30. Januar 2024

Die bis zuletzt gefallene Industrieproduktion und das niedrige Niveau des Ifo-Geschäftsklimas sprechen dafür, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal ebenfalls schrumpft. Der private Verbrauch, auf den die Optimisten setzen, hat bis zuletzt enttäuscht. Die Unternehmen und Konsumenten haben einfach zu viel zu verkraften, wenn man an das neue Zinsregime, die Inflationssorgen, die Erosion der Standortqualität und den nachlassenden Rückenwind aus China denkt. Nach einem Ende der Rezession ist kein kräftiger Aufschwung in Sicht.

Wie vom Statistisches Bundesamt vor gut zwei Wochen in Aussicht gestellt, ist das reale deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal gegenüber dem dritten um 0,3% geschrumpft. Nach Angaben der Statistiker gab es vor allem bei den Bau- und Ausrüstungsinvestitionen ein deutliches Minus. Zahlen für die Nachfragekomponenten werden am 23. Februar veröffentlicht.

Wirtschaft dürfte auch im ersten Quartal schrumpfen

Wie angekündigt hat das Statistische Bundesamt die Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal von -0,1% auf 0,0% nach oben revidiert. Insofern ist der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal nicht der zweite in Folge, weshalb die bei angelsächsischen Investoren gebräuchliche Definition einer Rezession nicht erfüllt ist. Aber für das erste Quartal zeichnet sich erneut ein Rückgang der Wirtschaftsleistung ab. Dafür spricht der Abwärtstrend der Industrieproduktion, der jüngste Rückgang der Auftragseingänge sowie das niedrige Niveau des Ifo-Geschäftsklimas.

Zukunftsangst

Der private Verbrauch, auf den die Optimisten setzen, hat bis zuletzt enttäuscht. Wie der epochale Einbruch des Gfk-Konsumklimas zeigt (Chart 1), ist hier keine rasche Wende zum Besseren zu erwarten. Die Verbraucher sind tief verunsichert, was offenbar nicht nur daran liegt, dass die hohe Inflation ihre inflationsbereinigten Einkommen reduziert hat.

Stagnation seit Herbst 2019

Auch die Unternehmen haben viel zu verkraften, wenn man an das neue Zinsregime, die Aussicht auf dauerhaft hohe Energiepreise, die langjährige Erosion der Standortqualität oder den nachlassenden Rückenwind aus China denkt. Diese Belastungsfaktoren dürften nicht schnell verschwinden. Das spricht gegen eine nennenswerte Erholung nach einem Ende der Rezession. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt, das seit Herbst 2019 in der Grundtendenz stagniert, könnte sich noch einige Quartale unter Schwankungen nur seitwärts bewegen. Das weckt Erinnerungen an die Jahre nach dem Platzen der Aktienmarktblase im Jahr 2000, als die Wirtschaft vier Jahre lang nicht nennenswert wuchs.