Inflation – nicht zu früh freuen

Die Inflation im Euroraum ist zuletzt deutlich gesunken.

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Dr. Jörg Krämer

Commerzbank Economic Research

22. Januar 2024

Aber die 70er Jahre lehren, dass das wenig zu bedeuten hat – vor allem bei weiter stark steigenden Löhnen. Die EZB sollte sich auf ihrer Sitzung diese Woche nicht zu früh freuen.

Verbraucherpreise zuletzt kaum noch gestiegen, ...

Auf den ersten Blick scheint das Inflationsproblem bald gelöst. In den letzten drei Monaten sind die Verbraucherpreise im Euroraum ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel kaum noch gestiegen; hochgerechnet aufs Jahr beträgt der unterliegende Preisanstieg nur noch ein Prozent. Viele Finanzmarktprofis schreiben diesen moderaten Inflationstrend in die Zukunft fort und halten das Inflationsproblem für erledigt. Deshalb erwarten sie, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bereits im April ihre erste Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt beschließt – und bis zum Jahresende fast fünf weitere solcher Zinsschritte.

... weil abebbende Inflation bei Energie und Nahrung auf Kerninflation durchschlägt, ...

Die zuletzt moderaten Inflationsdaten haben viel mit dem Abebben der Inflation bei Energie und Nahrungsmitteln sowie mit dem Ende der Materialengpässe zu tun. Das lässt auch die Preise für Industriewaren langsamer steigen und schlägt sogar auf die Dienstleistungspreise durch. Nahrungsmittel sind schließlich in der Gastronomie wichtig und Energie für Transportdienstleistungen