Welthandel unter Beschuss

Die Angriffe auf Schiffe im Roten Meer lassen die Frachtkosten steigen und stören die Lieferketten einiger Unternehmen.

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Bernd Weidensteiner, Dr. Christoph Balz

Commerzbank Economic Research

26. Januar 2024

Die Angriffe von Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer lassen die Frachtkosten steigen und beeinträchtigen die Lieferketten einiger Unternehmen. Es droht allerdings kaum ein neuerlicher Inflationsschub, da die Transportkosten nur einen sehr geringen Teil der Produktkosten ausmachen. Anders als vor drei Jahren trifft dieses Mal nicht eine auch vom Staat angeheizte Nachfrage auf eine geringere Produktion. Die aktuellen Probleme dürften aber als Argument dafür dienen, Europa unabhängiger von Zulieferungen aus Asien zu machen, was auf längere Sicht die Preise steigen lassen würde.

Angriffe der Huthis auf Schiffe ...

Die Angriffe der Huthis auf Frachtschiffe im Roten Meer lassen manchen neue Probleme bei den Lieferketten und einen neuen Inflationsschub befürchten. Denn der Beschuss von Schiffen durch die jemenitischen Rebellen hat die Frachtkosten bereits deutlich steigen lassen und erste Unternehmen müssen ihre Produktion wegen fehlender Teil herunterfahren.

Schließlich ist mit dem Roten Meer, dem Zugang zum Suezkanal von Asien aus, eine der wichtigsten Schifffahrtstraßen der Welt von diesen Angriffen betroffen. Laut IMF Port Watch fließen rund 11% des globalen Seehandels durch den Suezkanal, für den europäisch-asiatischen Handel ist der Anteil noch einmal deutlich größer.

... lässt Frachtkosten steigen, ...

Aufgrund der Bedrohung ihrer Schiffe meiden Reedereien inzwischen den Weg durch das Rote Meer. Nach Angaben von IMF Port Watch ist Anfang 2024 das Transportvolumen, das am Eingang zum Roten Meer – und damit im Gebiet der Angriffe der Huthi – im Transit war, im Vorjahresvergleich um etwa die Hälfte eingebrochen (Chart 1) [1]. Bei Containerschiffen, die bisher das vorrangige Ziel der Huthi-Attacken waren, ist der Transitverkehr im Roten Meer noch stärker gefallen.