Deutsche Wirtschaft in Q4 geschrumpft

Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 0,3% geschrumpft.

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Dr. Jörg Krämer

Commerzbank Economic Research

15. Januar 2024

Leider signalisieren die Frühindikatoren noch keine Wende zum Besseren. Das spricht für ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt auch im ersten Quartal. Für das gesamte Jahr 2024 erwarten wir weiter einen Rückgang um 0,3 Prozent. Bedenklich ist, dass die deutsche Wirtschaft seit dem Ausbruch von Corona in der Grundtendenz kaum gewachsen ist. Das ist selten und weckt Erinnerungen an die Jahre nach dem Platzen der Aktienmarktblase Anfang des Jahrtausends.

Im zurückliegenden Jahr ist die deutsche Wirtschaft wie erwartet um 0,3% geschrumpft. Wichtiger war die Aussage des Statistischen Bundesamtes, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal gegenüber dem dritten Quartal voraussichtlich um 0,3% geschrumpft ist. Eine reguläre Schnellschätzung wird das Amt am 30. Januar veröffentlichen.

Besserung noch nicht in Sicht

Da das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal anders als bisher gemeldet nach Aussagen der Statistiker wohl nicht gesunken ist, sondern stagnierte, ist die international übliche Definition einer Rezession bisher nicht erfüllt. Aber es ist noch keine Wende zum Besseren in Sicht. Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima verharren im Rezessionsbereich. Der zurückliegende Einbruch der Auftragseingänge schlägt zunehmend auf die Industrieproduktion durch, nachdem die Unternehmen die während Corona liegen gebliebenen Aufträge Umfragen zufolge weitgehend abgearbeitet haben. Mittlerweile zeigt sich auch bei der Industrieproduktion ein Abwärtstrend. All das legt nahe, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal vermutlich weiter sinkt. Die schlechte Ausgangsbasis ist ein wichtiges Argument für unsere Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2024 erneut schrumpfen wird (-0,3%). Wir bleiben damit vorsichtiger als der Durchschnitt der Volkswirte und sehen gewisse Abwärtsrisiken für unsere Prognose.

Stagnation seit Ende 2019

Seit Herbst 2019, also kurz vor Ausbruch von Corona, hat die deutsche Wirtschaft in der Grundtendenz stagniert (Chart). Das ist ungewöhnlich und erinnert an die Jahre nach dem Platzen der Aktienmarktblase im Jahr 2000. Während die Unternehmen damals unter Überinvestitionen und hohen Schulden litten, belasten heute ein neues Zinsregime, die Aussicht auf dauerhaft hohe Energiepreise, ein nachlassender Rückenwind aus China und eine langjährige Erosion der Standortqualität. Die Unternehmen haben zur Zeit viel zu verdauen, was gegen eine nennenswerte Erholung nach dem Ende der Rezession spricht.