NFT: Schöne neue Krypto-Kunst

Eminem hat sie schon gekauft, Alphonso Davies bereits eigene herausgebracht: NFT-Kunst erobert den Markt. Doch was steckt dahinter?

Eine Künstlerin zeichnet auf einem Tablet ein rosa Schweinchen mit Sonnenbrille. Im Hintergrund sind weitere Werke von ihr auf einem Monitor zu sehen.

Digitale Kunst ist älter als man denkt. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts nutzten die ersten Kreativen die Möglichkeiten von Computern, um mit Bildern und Musikstücken neue Wege zu gehen. Je weiter sich die Technik entwickelte, desto leichter wurde es, mir ihr zu arbeiten. Entsprechend hat sich das Spektrum erweitert: Unter „digitale Kunst“ fallen heute unter anderem am PC entworfene 3D-Skultpturen und Zeichnungen sowie bearbeitete Fotos. Mit Aufkommen der Blockchain-Technologie hat sich in den vergangenen Jahren ein neuer Kunstmarkt für digitale Werke entwickelt. Dieser basiert auf NFT und nutzt häufig die Blockchain der Kryptowährung Ether.

Was ist NFT?

NFT ist zunächst eine Abkürzung für „non-fungible token“, ein nicht austauschbares, digital geschütztes Objekt – und damit oftmals ein Vermögenswert. NFT dienen somit als fälschungssicheres Zertifikat. Erstellt und registriert jemand ein Kunstwerk als NFT auf einer Blockchain, wird dieser Vorgang als „minten“ bezeichnet. Durch dieses Verfahren ist dessen Einzigartigkeit in der Blockchain festgeschrieben und zudem für jeden einsehbar.

Was ist ein NFT-Kunstwerk

Die Kunst ist bei NFT in erster Linie digital. Es gibt aber auch Kunstwerke, die zusätzlich an physische Produkte gebunden sind. So hat es zum Beispiel adidas mit seiner ersten NFT-Kollektion gemacht, die auch reale Kleidungsstücke des Sportartikel-Herstellers beinhaltet. In der Regel beziehen sich die NFT aber auf virtuelle, weniger greifbare Objekte. Wer ein NFT-Kunstwerk erwirbt, besitzt es. Das Copyright verbleibt allerdings bei der Künstlerin oder dem Künstler.

Welche Vorteile haben NFT für Künstlerinnen und Künstler?

Für Kunstschaffende bietet das Format im digitalen Zeitalter viele Vorteile. Nicht nur, dass viele Menschen bereit sind, Geld für einen digitalen Eigentumstitel zu bezahlen. Bei der Preisgestaltung sind Künstlerinnen und Künstler zudem flexibel, können den Wert ihrer Kunst selbst festlegen. Die Blockchain macht Preise und Handel transparent, sodass sie sich rückblickend nachvollziehen lassen.

Auf den Verkaufs-Plattformen können die Kreativen die Höhe ihrer Tantiemen frei bestimmen. Das heißt: Bei einem Weiterverkauf der Werke verdienen Künstlerinnen und Künstler automatisch mit, profitieren daher auch von späteren Verkäufen zu einem höheren Preis. Je nach Plattform fallen Gebühren fürs „Minting“ und den Verkauf an, die von Kreativen, Käufer oder Käuferin getragen werden.

Welche Vorteile haben NFT für Käuferinnen und Käufer?

Sie erhalten eine Besitzurkunde sowie ein Echtheitszertifikat und können – ein nicht zu unterschätzender Faktor auf dem Kunstmarkt – die Herkunft (Provenienz) des Kunstwerkes belegen. Letzteres ist wichtig für den Weiterverkauf.

Welche Rolle spielen NFT in der Kunstwelt?

NFT sind aktuell ein Hype in der Kunstwelt. Zuletzt wurden immer höhere Rekordsummen für einzelne NFT-Werke verzeichnet. Für rund 69,3 Millionen US-Dollar hat Christie‘s die Collage „Everydays: the First 5000 Days“1 von Mike Winkelmann alias Beeple versteigert. Damit zählt der US-Amerikaner zu einem der wertvollsten lebenden Künstler weltweit. Andere Beispiele für spektakuläre Auktionen sind das animierte Gif „Nyan Cat“2 (rund 600.000 US-Dollar), der erste Tweet3 von Twitter-Gründer Jack Dorsey (2,9 Millionen US-Dollar) oder der erste digitale Smiley4 (237.500 US-Dollar).

Welche NFT-Märkte gibt es noch?

Die zuletzt genannten Beispiele zeigen, dass sich NFT auch abseits der Kunstwelt zu beliebten Sammlerobjekten entwickelt haben. Einer der größten NFT-Märkte ist momentan der für amerikanische Basketball-Sammelkarten. Für Aufsehen sorgen zudem Plattformen, die das Sammeln und Handeln mit digitalen Fußballkarten ermöglichen – und somit an die hierzulande beliebte Panini-Sammelbilder-Leidenschaft anknüpfen.

Neben bildenden Künstlerinnen und Künstlern interessieren sich immer mehr Kulturschaffende aus anderen Bereichen für NFT, etwa aus der Musikbranche. So haben die US-amerikanische Rockgruppe Kings of Leon und der kanadische Popstar Shawn Mendes digitale Sammlerstücke und Alben online angeboten.

In der Gamingszene sind limitierte „Collector’s Editions“ von Spielen keine Seltenheit. Hierzu zählen physische Extras wie Figuren aus Vinyl oder Kunstharz genauso wie seltene digitale Extras. Jüngst bot der japanische Spielehersteller Konami erstmals NFT an. Zum 35. Geburtstag seiner Spielereihe „Castlevania“ konnten Fans animierte Spieleszenen ersteigern. Einen Schritt weiter möchte der britische Spieleentwickler Peter Molyneux gehen. In seinem neuen Spiel „Legacy“ sollen Nutzerinnen und Nutzer mithilfe von NFT virtuelle Geschäfte und Grundstücke erwerben können.

Bekannte Sneakerhersteller wie Diesel oder Nike kooperieren mit NFT-Plattformen, um seltene Modelle mit digitalen Echtheitszertifikaten zu versehen. Nike hat sogar eine Firma übernommen, die sich auf virtuelle Sneaker als Modeaccessoires in Videospielen spezialisiert hat. Das Beispiel zeigt, welche Rolle die digitalen Echtheitszertifikate in der Zukunft des Internets, dem „Metaversum“, spielen könnten.

Was kostet ein NFT-Kunstwerk?

NFT-Kunstwerke kosten immer so viel, wie der Künstler oder die Verkäuferin für sie verlangen. Die Preise können Interessierte ganz einfach auf den jeweiligen Verkaufsplattformen erfahren. Die National Basketball Association (NBA) veranschlagt für die günstigsten ihrer „Top Shots“ genannten NFT-Kurzfilme 2 US-Dollar. Für die teuersten werden aktuell sechsstellige Beträge fällig.

Zum Vergleich: adidas hat Ende 2021 für seine „Into the Metaverse“-Kollektion 0.2 Ether verlangt, damals umgerechnet 800 US-Dollar. Dafür bekommen die Käuferinnen und Käufer im Jahr 2022 auch etwas zum Anfassen. Neben reinen digitalen Sammlerstücken haben sie die Möglichkeit, dieses Jahr die limitierten, realen Kleidungsstücke der Kollektion zu erhalten, etwa einen Hoodie.

Ob große Marke oder kleine Kunst, auf Plattformen wie OpenSea oder Nifty Gateway gibt es preisgünstige wie hochpreisige NFT-Werke. Dort entscheidet beim Kauf nicht nur die persönliche finanzielle Schmerzgrenze, sondern auch – wie so oft – der Geschmack.

Wie kauft man ein NFT-Kunstwerk?

Um auf dem NFT-Kunstmarkt mitzumischen, braucht es zunächst eine Grundausstattung: eine digitale Brieftasche (Wallet) mit ebensolchem Geld (Kryptowährung). Letzteres kann über eine Krypto-Börse erworben werden. Mit dem digitalen Geld lässt sich dann ebensolche Kunst kaufen. Allerdings sollten Interessierte schon vor einem möglichen Erwerb darauf achten, dass die Plattform die gewählte Kryptowährung auch akzeptiert.

Welche Chancen und Risken bieten NFT-Kunstwerke?

Wie bei anderen Sammelgegenständen gilt auch hierbei, dass es keine Garantie für eine anhaltende Wertsteigerung gibt. Auf dem analogen Sammlermarkt gibt es dazu genügend Negativbeispiele, wie etwa der für die Beanie Babies aus den 1990ern. Die kleinen Plüschtiere entwickelten sich zum Spekulationsobjekt – bis die Blase nach nur wenigen Jahren zerplatzte.

Angesichts der horrenden Preise für NFT-Werke warnen Kritiker der Entwicklung vor einer Blasenbildung. Eine aktuelle Marktanalyse der Financial Times zeigt zudem, dass der Hype um NFT zwar groß ist, die tatsächliche Szene aber überschaubar klein. So berichtete die Wirtschaftszeitung, dass im Jahr 2021 weniger als zehn Prozent der 360.000 NFT-Besitzenden rund 80 Prozent des gehandelten Volumens ausmachen. Somit bleiben NFT vorerst eine Nische.

Ein weiterer kritischer Punkt ist das Thema Nachhaltigkeit. Die Blockchain-Technologie und das Herstellen von Kryptowährungen verbrauchen viel Strom. Mit Polygon gibt es allerdings eine Blockchain, die als besonders sparsam beim Energieverbrauch gilt – und die etwa der WWF5 für die Versteigerung von virtueller Kunst zum Schutz bedrohter Arten genutzt hat. Wer einen nachhaltigen Lebensstil pflegt, sollte beim Handeln und Sammeln mit NFT daher genau hinschauen.

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