Unabhängig leben im eigenen Haus

In unserem Ratgeber lesen Sie, was Sie beim Bau eines autarken Hauses beachten müssen. Erfahren Sie hier mehr dazu!

Eine junge Frau sitzt auf der Terrasse eines modernen Holzhauses und umarmt ihren großen, weißen Hund

Ein autarkes Haus bezeichnet heute ein Gebäude, das eigenständig mit Strom (Energie) und Wärme versorgt wird und nicht an die öffentliche Kanalisation oder ein öffentliches Energienetz angebunden ist. Vollkommen autarke Häuser haben zudem eine eigene Photovoltaik, Wasser- und Abwasserversorgung. Doch wie ist diese Autarkie überhaupt möglich?

Was ist ein autarkes Haus?

Ein autarkes Einfamilienhaus ist von öffentlichen Energienetzen und anderen Versorgungsnetzen vollkommen unabhängig. Die Stromversorgung geschieht autark und Heizwärme wird im Einfamilienhaus ebenfalls selbst erzeugt. Das geschieht mithilfe von Solarthermieanlagen oder Photovoltaikanlagen. Die Heizwärme und das Warmwasser werden für diese Häuser mit Holz oder mithilfe der Photovoltaik erzeugt. Allerdings ist eine hundertprozentige Autarkie nur in den seltensten Fällen möglich. Vor allem Wasseranschlüsse und Kanalisation stellen ein Problem dar. Photovoltaikanlagen verfügen heute noch nicht über die ausreichende Kapazität, um die Stromversorgung in einem Einfamilienhaus vollständig zu gewährleisten sowie Warmwasser und Heizwärme zu erzeugen und wenn, dann benötigen diese Photovoltaikanlagen oder Solaranlagen ein sehr großes Dach. Dennoch können Sie sich mit einem energieautarken Haus viel Geld ersparen. Ein vollkommen autarkes Einfamilienhaus sorgt nicht nur für die notwendige Energieversorgung, das Warmwasser und die Wärme, sondern hat auch eigene Photovoltaik, Frischwasser- und Abwassernetze. Es sorgt somit auch für einen unabhängigen Wasserkreislauf. Für die Zukunft zeichnet sich ein Trend zu diesen Häusern und zum Leben in Autarkie ab.

Welche Arten von energieautarken Häusern gibt es?

Die Autarkie kann bei Häusern im Energiebereich auf verschiedene Weise erreicht oder zumindest optimiert werden. Die Baubranche unterscheidet bei energieautarken Häusern zwischen Aktivhäusern und Passivhäusern. Ein Passivhaus kennzeichnet sich durch eine optimale Wärmedämmung. Dadurch geht sehr wenig Heizwärme verloren und Sie können den Energieverbrauch weitgehend reduzieren. Ein Aktivhaus verfügt neben der idealen Wärmedämmung auch über alternative Anlagen zur Energieerzeugung wie Solarthermieanlagen für die Heizwärme und das Warmwasser oder Photovoltaikanlagen zur Stromversorgung. Damit produziert dieser energieautarke Haustyp als Einfamilienhaus in einigen Fällen sogar mehr Energie, als er selbst verbraucht.

Alternative autarke Gebäude

Vor allem in den USA findet man kleine autarke Häuser, die jedoch nicht mit den hierzulande üblichen Massivhäusern, Fertighäusern oder einem Einfamilienhaus vergleichbar sind. Bei diesen autarken Gebäuden handelt es sich um mobile Eigenheime. Diese erscheinen in den vielfältigsten Formen wie Baumhäuser oder Waggonhäuser. Auch ehemalige Frachtcontainer werden zu autarken Häusern umgebaut. Diese Häuser verfügen über eine eigene Stromversorgung und produzieren Heizwärme sowie Warmwasser selbst und haben eine eigene Wasserversorgung. Außerdem sind sie nicht an die Kanalisation angeschlossen. In Deutschland beschränken sich diese alternativen Eigenheime für ein Leben in Autarkie jedoch noch auf Pilotprojekte.

Vor- & Nachteile eines autarken Hauses

Vorteile eines autarken Hauses

Ein energieautarkes Einfamilienhaus und ein Leben in Autarkie bringen zahlreiche Vorteile mit sich. Wenn Sie über eine eigene Photovoltaikanlagen verfügen, kostet die Stromversorgung rund 10 Cent pro Kilowattstunde. Im öffentlichen Stromnetz liegt dieser Preis bei rund 30 Cent pro kWh. Außerdem gewährleistet ein energieautarkes Gebäude Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen für die Erzeugung von Heizwärme sowie Warmwasser und auch Preisschwankungen am Energiemarkt sind nicht mehr relevant. Zudem ist ein autarkes Haus sehr umweltfreundlich, da alternative Energie verwendet wird. Diese setzt sich in erster Linie aus Sonnenenergie und Windenergie und in manchen Fällen auch aus Geothermie zusammen.

Nachteile eines autarken Hauses

Wenn sie vollkommen energieautark und in strenger Autarkie leben wollen, benötigen Sie dafür entsprechende Anlagen für alternative Energieformen zur Stromerzeugung und Aufbereitung von Warmwasser sowie Wasseraufbereitungsanlagen für die Nutzung von Regenwasser und Anlagen zur Abwasserentsorgung. Diese Anlagen sind jedoch dementsprechend teuer. Zudem können derartige Installationen zuweilen auch ausfallen. Die Behebung eines Stromausfalls kann dann zum Beispiel längere Zeit in Anspruch nehmen als im öffentlichen Stromnetz. Auch der Wasserkreislauf ist hierzulande vorgeschrieben. In Deutschland ist eine autarke Versorgung mit Trinkwasser schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Regenwasser darf zwar für Bewässerungszwecke und zum Waschen verwendet werden, jedoch ist die Nutzung von Regenwasser als Trinkwasser nicht gestattet. Die meisten Grundstücke in Deutschland, die mit einer Baugenehmigung versehen sind, sind außerdem an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Sickergruben sind in Ausnahmefällen erlaubt. Als autarke Lösung für den Wasserkreislauf können hier jedoch Kleinkläranlagen dienen.

Der Bau eines autarken Hauses

Wenn Sie ein autarkes Haus bauen wollen, finden Sie bereits autarke Fertighäuser auf dem Markt. Bei diesen autarken Gebäuden handelt es sich jedoch in erster Linie um Niedrigenergiehäuser. Es gibt zwar Baukonzepte für vollkommen autarke Häuser und für das Leben in Autarkie, doch diese sind heute noch weitgehend Zukunftsmusik. Die Pläne dafür scheitern meist an den Baubewilligungen.

Technologien für autarke Häuser

Autarke Gebäude verwenden eigenen Technologien, um von der Umwelt weitgehend unabhängig zu sein und eine vollkommene Autarkie zu gewährleisten. Dazu gehören hauptsächlich folgende Komponenten:

Die Stromerzeugung

Die autarke Stromerzeugung erfolgt mithilfe von Photovoltaikanlagen oder Solaranlagen. Photovoltaikanlagen erzeugen Strom, während Solaranlagen in erster Linie Heizwärme produzieren. Auch Windturbinen können für die Stromerzeugung oder die damit verbundene Bereitstellung von Heizwärme verwendet werden. In manchen Fällen ist auch eine Kombination dieser beiden Technologien möglich. Um Stromausfälle vorzubeugen, müssen Energiespeicheranlagen eingebaut werden. Diese sind mit der heutigen Technologie jedoch noch nicht einwandfrei funktionsfähig.

Die Heiztechnik

Viele Heizsysteme von Häusern arbeiten heute bereits autark. Heizwärme kann mit Holz oder Holzpellets erzeugt werden. Energieautarke Häuser nutzen für die Heizwärme jedoch meist Solarthermieanlagen, die auch Warmwasser bereitstellen.

Die Wasserversorgung

Der Wasserkreislauf ist ein Kernpunkt der Autarkie. Die Versorgung mit Trinkwasser erfolgt bei fast allen Häusern in Deutschland über die öffentliche Trinkwasserversorgung. Eine Nutzung von Regenwasser ist zwar theoretisch möglich, jedoch noch nicht erlaubt. Eine Alternative stellen Brunnen auf dem eigenen Grundstück dar. Natürlich werden auch diese im Wasserkreislauf indirekt mit Regenwasser gespeist.

Die Abwasserentsorgung

Wenn Sie Ihr Abwasser autark entsorgen wollen, können Sie dies mit einer Sickergrube tun. Es gibt technisch jedoch bereits Wiederaufbereitungsanlagen für Abwasser. Sickergruben können Sie nur auf einigen Grundstücken mit einer dafür entsprechend vorgesehenen Baugenehmigung anlegen. Auf bereits erschlossenen Grundstücken dürfen Sie keine derartigen Gruben ausheben, da hier bereits ein Anschluss an die Kanalisation vorgesehen ist. Sie können jedoch sogenannte Komposttoiletten anstelle von konventionellen Toiletten einbauen. Diese müssen Sie nicht an die Kanalisation anschließen lassen. Eine autarke Alternative stellen Kleinkläranlagen für den eigenen Wasserkreislauf dar. In diesen werden Abwasser und Regenwasser gereinigt.

Worauf sollte ich beim Bau eines autarken Hauses achten?

Prinzipiell können Sie jedes Haus zu einem autarken Haus ausbauen. Bevor Sie an den Bau eines autarken Hauses herangehen, sollten Sie jedoch folgende Punkte beachten:

Die Wahl des Grundstücks

Für das Grundstück muss eine Baugenehmigung vorhanden sein. Derartige Baugenehmigungen sind meist nur bei erschlossenen Grundstücken mit Anschlüssen für Strom, Wasser und Kanalisation vorhanden. Um dort ein autarkes Haus zu errichten, sind für das Abwasser und für die Müllentsorgung entsprechende Sonderbewilligungen notwendig. Auch ein Blick in den Bebauungsplan ist deshalb sehr hilfreich. Dieser schreibt vor, welche Art von Gebäuden auf dem Grundstück überhaupt errichtet werden dürfen. Die Lage des Grundstücks sollte möglichst viel Sonne zulassen, um Photovoltaikanlagen darauf zu errichten.

Genaue Baupläne

Um ein autarkes Haus zu bauen, sind detaillierte Baupläne erforderlich, die von einem Architekten erstellt werden müssen. Nur mit diesen Plänen erhalten Sie auch eine Baugenehmigung. Diese Pläne reichen Sie zur Erteilung der offiziellen Baubewilligung ein. In den Plänen für ein autarkes Haus ist auch die Errichtung von Solaranlagen für die Energieversorgung oder einer eigenen Kläranlage zu beschreiben. Vor allem für die Kläranlage bedarf es gesonderter Baugenehmigungen. Kleinkläranlagen müssen über eine Baugenehmigung des Deutschen Instituts für Bautechnik Berlin verfügen. Auch den Bau eines eigenen Brunnens für das Trinkwasser müssen Sie extra bewilligen lassen.

Die Kosten

Ein Haus für eine vollkommene Autarkie zu bauen, kostet wesentlich mehr als der Bau eines konventionellen Hauses. In diesem Fall müssen Sie mit Kosten um 450.000€ rechnen. Deshalb sollten Sie auch die Finanzierung auf diesen Umstand anpassen.

Was kostet ein autarkes Haus?

Wenn Sie in vollkommener Autarkie leben wollen, müssen Sie dafür nicht nur das Haus auf die entsprechenden Bedürfnisse anpassen. Ferner müssen Sie auch noch einen Brunnen bauen oder eine Kleinkläranlage. All das verursacht zusätzliche Kosten. Ein schlüsselfertiges autarkes Haus kostet ca. 400.000€. Die Wohnfläche beträgt dabei rund 160m². Bei einem energieautarken Haus können Sie in der Folge jedoch jährlich bis zu 6.000€ an Energiekosten einsparen. In rund 15 Jahren hat sich Ihr energieautarkes Haus damit amortisiert.

Kostenbeispiel für ein autarkes Haus

Wenn Sie bereits über ein geeignetes Grundstück verfügen oder ein entsprechendes Baugrundstück erworben haben, müssen Sie bei der Errichtung eines autarken Einfamilienhauses mit einer Wohnfläche von 160m² mit folgenden Kosten rechnen.

  • Komplettes Gebäude - 400.000€
  • Photovoltaikanlagen inkl. Installation - 13.000€
  • Kleinkläranlage - 3.000€
  • Brunnen - 800€
  • Summe: 416.800€

Die Kosten für eine Photovoltaikanlagen hängen in erster Linie von deren Größe ab. Kleinere Anlagen gibt es bereits unter 10.000€. Bei einem energieautarken Haus muss das Dach jedoch zum größten Teil mit einer Solaranlage verbaut werden.

Kleinkläranlagen gibt es ebenfalls in verschiedenen Größen. Die Kosten für den Brunnenbau hängen von der Bohrtiefe ab. Befindet sich das Grundwasser nahe an der Oberfläche, sind die Kosten geringer. Den Hauptanteil an diesen Kosten haben dabei die Brunnenrohre. Der Brunnenschacht muss verrohrt werden, um das Trinkwasser nicht mit dem Oberflächenwasser und dem Regenwasser zu kontaminieren. Die meisten Brunnenbauer verlangen für einen Bohrmeter Rohr zwischen 20€ und 30€. Wenn für den Brunnen Rohre mit größerem Durchmesser notwendig sind, liegen die Kosten bei 110€ pro Meter. Das ist meist der Fall, wenn sich das Grundwasser tief in der Erde befindet. Zudem müssen Sie in den meisten Fällen auch eine Wasserpumpe installieren. Die Kosten dafür halten sich allerdings in Grenzen und betragen rund 100€.



Finanztipp

Wenn Sie ein eigenes Haus bauen wollen, müssen Sie dafür meistens auf Fremdfinanzierung zurückgreifen. Diese erhalten Sie in Form eines Kredits oder einer entsprechenden Baufinanzierung. Für den Bau eines autarken Hauses können Sie auch die sogenannte Grüne Baufinanzierung in Anspruch nehmen. Diese Form der Baufinanzierung ist wesentlich günstiger als eine konventionelle Baufinanzierung.

Zur Autarkie mit dem eigenen Haus

Obwohl eine vollständige Autarkie heute noch nicht technisch und gesetzlich problemlos möglich ist, geht der Trend beim Bauen eindeutig in diese Richtung. Zumindest sind energieautarke Häuser im Vormarsch. Allerdings ist der Bau eines autarken Hauses relativ kostspielig. Durch die Energieeinsparung kann sich diese Investition jedoch beim Strom und der Heizung in wenigen Jahren rechnen. Ein Problem stellen beim Bau von Häusern, die für ein Leben in vollkommener Autarkie ausgerichtet sind, die behördlichen Bewilligungen dar. Das betrifft vor allem die Anschlusspflicht an das Trinkwassernetz und die Kanalisation. Die Nutzung von Regenwasser als Trinkwasser ist in Deutschland verboten. Obwohl die Investitionskosten für ein autarkes Haus sehr hoch sind, können Sie langfristig von der eignen produzierten Energie profitieren.