• Segeln lernen: Was kostet ein Segelschein?

    Mit dem richtigen Segelschein erschließen sich schier unendliche neue Welten. Doch welcher Segelschein ist der richtige – und welche Kosten fallen an?

Um ein Segelboot unter allen Bedingungen sicher zu beherrschen, braucht es solide Kenntnisse und Praxiserfahrungen. Der Nachweis dafür ist der Segelschein. Erfahren Sie hier, welcher Segelschein für Sie infrage kommt und mit welchen Kosten Sie dabei rechnen müssen.


Welche Segelscheine gibt es?

Früher waren für das Führen von Segelbooten keine speziellen Befähigungsnachweise gesetzlich vorgeschrieben. Der Deutsche Segler-Verband DSV bot zwar drei verschiedene Segelscheine an und nahm entsprechende Prüfungen ab, doch geschah dies alles auf rein freiwilliger Basis. Unterschieden wurde damals zwischen dem A-Schein für Binnengewässer, dem B-Schein für das Segeln auf Meeren und dem C-Schein für die Ozeane. Dieses System ist zwar mitunter noch in älteren Segelbüchern zu finden, in der Praxis aber längst obsolet. Denn inzwischen gibt es gesetzliche Vorschriften darüber, welche Zertifikate Sie vorweisen können müssen, die mit entsprechenden Prüfungen abgeschlossen wurden, um bestimmte Gewässer mit Sportbooten befahren zu dürfen. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Sportbootführerscheinen und anderen Befähigungsnachweisen, die für bestimmte Situationen zwingend vorgeschrieben sind, und fakultativen Scheinen. Diese werden freiwillig erworben und vermitteln Kenntnisse, die vom Gesetzgeber nicht gefordert werden, aber trotzdem hilfreich oder aus Sicherheitsgründen sogar dringend zu empfehlen sind. Die wichtigsten Scheine für Segler sind:

Jüngstenschein

Den Jüngstenschein können Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren erwerben, wenn sie selbst und darüber hinaus auch mindestens ein Elternteil als Mitglied einem Segelverein angehören. Eine weitere Voraussetzung ist der Erwerb des Deutschen Jugendschwimmabzeichens in Bronze beziehungsweise ein Nachweis über 15-minütiges Dauerschwimmen. Beim Jüngstenschein handelt es sich um einen freiwilligen Segelschein, der das Führen von Segelbooten unter Aufsicht sowie in bestimmten Gebieten erlaubt. Außerdem dürfen die Inhaber eines Jüngstenscheines an besonderen Regatten teilnehmen.

Mehr Geld

Sportbootführerschein Binnen

Der Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen) ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn Sie als Sportbootführer mit einem bis zu 15 m langen Motor- oder Segelboot auf deutschen Binnengewässern unterwegs sein wollen. Voraussetzungen für seinen Erwerb sind ein Mindestalter von 14 Jahren, ein ärztliches Zeugnis sowie bei Minderjährigen die Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Es gibt zwar einige Segelreviere in Deutschland, auf denen Sie unter bestimmten Bedingungen auch ohne den SBF Binnen mit einem Segelboot unterwegs sein dürfen. Das gilt zum Beispiel in Berlin für Segelboote mit einer Segelfläche von bis zu 3 m² und in Sachsen für bis zu 6 m² Segelfläche. Dennoch ist es auch für diese Gewässer grundsätzlich empfehlenswert, einen Segelschein wie den SBF Binnen zu erwerben. Ohne jegliche theoretische und praktische Ausbildung besteht beim Segeln eine relativ große Gefahr, dass es aufgrund von Unkenntnis der Verkehrsregeln für Wasserstraßen oder ungenügender Beherrschung des Bootes zu Unfällen kommt.

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Sportbootführerschein See

Der Sportbootführerschein See (SBF See) ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben und berechtigt Sie, mit Motor- und Segelbooten deutsche Seefahrtstraßen und Gewässer im Küstenbereich zu befahren. Hier liegt das Mindestalter für den Erwerb bei 16 Jahren. Die übrigen Voraussetzungen entsprechen denen des Sportbootführerscheins Binnen.

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Sportküstenschifferschein

Im Unterschied zu den beiden vorgenannten Scheinen ist der Sportküstenschifferschein (SKS) nicht gesetzlich vorgeschrieben. Er dient als Nachweis von Kenntnissen zum Führen von Motor- und Segelbooten in einer Entfernung von maximal 22,2 km beziehungsweise 12 Seemeilen von der Küste. Wenn Sie den SKS erwerben möchten, müssen Sie bereits im Besitz des SBF See sein. Dementsprechend beträgt das Mindestalter für diesen Schein ebenfalls 16 Jahre. Darüber hinaus müssen Sie nachweisen, dass Sie mit einem Motor- oder Segelboot schon mindestens 300 Seemeilen in der Nähe der Küste zurückgelegt haben. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Erwerber des SKS bereits eine Reihe von praktischen Erfahrungen erworben haben und ihre theoretischen Kenntnisse bei unterschiedlichen Manövern und Situationen an Bord anwenden konnten. Wenngleich es sich um einen freiwilligen Schein handelt, ist sein Erwerb bei häufigeren Fahrten in Küstengewässern auf jeden Fall sinnvoll. So können beispielsweise Bootsvermieter das Chartern eines Bootes vom Vorlegen des SKS abhängig machen, wenn Sie damit innerhalb der 12-Meilen-Zone unterwegs sein wollen.

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Sportseeschifferschein

Auch der Sportseeschifferschein (SSS) ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern freiwillig. Wer ihn erwirbt, bekommt dabei das Know-how für das Führen von Segel- und Motorbooten in einer Entfernung von bis zu 55,56 km beziehungsweise 30 Seemeilen von der Küste vermittelt. Voraussetzungen für den Erwerb des SSS sind ein Mindestalter von 16 Jahren und der Besitz des SBF See. Zudem müssen Sie nachweisen, schon mindestens 1.000 Seemeilen auf einem Boot als Wachführer absolviert zu haben.

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Sporthochseeschifferschein

Der Sporthochseeschifferschein (SHS) fungiert als Befähigungsnachweis für das Führen von Segel- und Motorbooten auf hoher See, das heißt, auf Meeren und Ozeanen. Wollen Sie beispielsweise mit Ihrem Segelboot eine Atlantiküberquerung wagen, sollten Sie vorher unbedingt die Prüfung für den SHS absolvieren, auch wenn dieser ebenfalls freiwillig ist. Das Mindestalter liegt hier bei 18 Jahren. Vorausgesetzt werden zudem der Besitz des Sportseeschifferscheins (SSS) sowie der Nachweis über 1.000 als Wachführer auf einem Boot absolvierte Seemeilen.

Weitere Scheine

Neben den genannten sechs Scheinen existieren noch verschiedene weitere Scheine, Befähigungsnachweise und Zertifikate, die zum Teil freiwillig, zum Teil in bestimmten Situationen erforderlich sind. So bieten Segelschulen häufig einen sogenannten Segelgrundschein für Kinder und Einsteiger an. Wer ein Boot mit einer Funkanlage für den Binnenschifffahrtsfunk führt, benötigt dafür das UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk. Analog dazu muss der Schiffsführer eines Sportbootes ein beschränkt gültiges oder allgemeines Funkbetriebszeugnis besitzen, wenn dieses mit einer UKW-Seefunkanlage beziehungsweise einer Seefunkanlage ausgestattet ist. Darüber hinaus gibt es noch Sach- und Fachkundenachweise, die Voraussetzung für den Erwerb von Seenotsignalmitteln sind, oder Scheine für bestimmte Gewässer, wie beispielsweise das Bodenseeschifferpatent.


Was ist im Segelgrundschein alles enthalten?

Der Segelgrundschein wird zwar häufig angeboten, ist aber „nur“ ein freiwilliger Schein. Die entsprechende Ausbildung ist überwiegend praktisch orientiert und richtet sich vor allem an Kinder ab 12 Jahren, Jugendliche sowie erwachsene Segel-Einsteiger, die sich systematisch mit dem Segelsport vertraut machen möchten. Üblicherweise werden dabei die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, um mit einem Segelboot Manöver wie das Ab- und Anlegen, Wenden und Halsen durchzuführen sowie Schot und Pinne sachkundig zu führen. Die Scheine schließen mit einer entsprechenden Prüfung ab. Der Erwerb des Grundscheines kann deshalb für Einsteiger sinnvoll sein, um die sichere Handhabung des Segelbootes zu erlernen und zu trainieren. Er kann allerdings nicht den Erwerb eines amtlichen Sportbootführerscheines ersetzen, für den neben den Segelkenntnissen auch die Fähigkeit zum Führen von Motorbooten sowie wesentlich umfangreichere theoretische Kenntnisse nachzuweisen sind.


Kosten eines Segelscheins im Überblick

Die Kosten für den Erwerb eines Segelscheines können je nach Anbieter und Art des Kurses beträchtlich variieren. So sind gewerblich tätige Segelschulen meist etwas teurer, bieten aber dafür oft mehr zeitliche Flexibilität oder auch kompakt zusammengefasste Kurse an, die Sie neben einer beruflichen Tätigkeit oder im Urlaub absolvieren können. Entsprechende Angebote von Sportvereinen sind für deren Mitglieder oft etwas günstiger, allerdings ist dabei jeweils noch der regelmäßige Beitrag für die Mitgliedschaft im Verein zu berücksichtigen. Zudem wird in der Regel auch ein aktives Engagement im Verein und/oder regelmäßiges Training erwartet.

Kostenbeispiel

In jedem Fall ist es sinnvoll, verschiedene Angebote zu vergleichen und dann zu entscheiden, welches sich mit Ihren individuellen Lebensumständen und Preisvorstellungen am besten vereinen lässt. Für den Erwerb eines Jüngstenscheines müssen Sie mit Kosten zwischen 230€ und 780€ rechnen, allerdings gibt es bei einigen Vereinen und Segelschulen auch kostenlose Kurse für Mitglieder. Für den SBF Binnen beläuft sich der finanzielle Aufwand auf etwa 600€ bis 970€, beim SBF See sind es rund 400€ bis 570€. Um den Sportküstenschifferschein zu erhalten, sollten Sie etwa 400€ bis 480€ einkalkulieren, und für den Sportseeschifferschein und den Sporthochseeschifferschein summieren sich die Kosten auf rund 700€ beziehungsweise rund 900€.


4 Spartipps für den Segelschein

Ganz gleich, welchen Segelschein Sie erwerben möchten, müssen Sie dafür in jedem Fall mehrere Hundert Euro einplanen. Mit den folgenden 4 Tipps können Sie die Kostenbelastung jedoch oft spürbar reduzieren:

Verzichten Sie auf den Grundschein!

Erwerben Sie den Segelschein als Mitglied in einem Sport- oder Segelverein!

Nutzen Sie Rabattangebote, indem Sie mehrere Scheine beim selben Anbieter erwerben!

Erwerben Sie den Segelschein gemeinsam mit anderen Familienangehörigen!

Der Jüngstenschein kann als Einstieg für Kinder und Jugendliche interessant sein, ist jedoch weder ein „Baustein“ für einen der amtlichen Sportbootführerscheine noch mit irgendwelchen Berechtigungen verbunden. Wenn Sie die Möglichkeit haben, die praktischen Fähigkeiten auf einem Boot mit Freunden oder Verwandten beziehungsweise in einem Segelverein zu erwerben, können Sie auf den Grundschein getrost verzichten und sich die damit verbundenen Kosten sparen. Beginnen Sie stattdessen lieber gleich mit dem SBF Binnen oder dem SBF See. Die Mitgliedschaft in einem Verein ermöglicht den Erwerb eines Segelscheines oft zu günstigeren Konditionen als bei einem externen Anbieter. Falls Sie den Segelsport intensiver und regelmäßiger betreiben wollen, kann sich eine Vereinsmitgliedschaft also auch im Hinblick auf die Segelschein-Kosten lohnen.

In Segelschulen werden häufig auch Kombinationen für mehrere Segelscheine angeboten oder Rabatte gewährt, wenn mehrere Personen aus einer Familie gleichzeitig einen Kurs absolvieren. Wenn Sie schon sicher sind, dass Sie später auch auf hoher See segeln möchten, sollten Sie sich idealerweise eine Segelschule suchen, in der sie alle dafür notwendigen Scheine „aus einer Hand“ erwerben und dabei eventuell von Rabatten profitieren können. Das gemeinsame Absolvieren eines Segelscheinkurses mit anderen Familienangehörigen bietet übrigens auch unabhängig von eventuellen Rabatten auf die Kursgebühr den Vorteil, dass die notwendigen Lehrmaterialien gleich mehrfach genutzt werden und Sie sich gegenseitig bei den Vorbereitungen auf die Prüfung unterstützen können.


Finanzierung eines Segelscheins

Um die Kosten für den Segelschein zu finanzieren, haben Sie verschiedene Möglichkeiten. So können Sie beispielsweise auf einem Festgeld- oder Tagesgeldkonto über einen gewissen Zeitraum hinweg etwas Geld ansparen, das Sie anschließend für den Segelschein verwenden. Rechnen Sie dabei jedoch nicht zu knapp, sondern kalkulieren Sie neben den reinen Gebühren für Kurs und Prüfung auch eine entsprechende Reserve für eventuelle zusätzliche Fahrtkosten, Ausgaben für ärztliche Zeugnisse oder Ähnliches mit ein. Falls Sie einen Kompaktkurs an einem anderen Ort belegen wollen, kommen möglicherweise auch noch Übernachtungskosten dazu. Erwarten Sie demnächst eine Bonuszahlung oder einen anderen zusätzlichen Zahlungseingang, der für einen schnellen Ausgleich sorgt? Dann können Sie die Segelschein-Kosten zunächst auch über einen Dispositionskredit auf Ihrem Girokonto finanzieren.

Generell sollten Sie bei der Finanzierung ihres Segelscheines bedenken, dass Sie diesen ja nicht um seiner selbst willen erwerben wollen. Nach der erfolgreich bestandenen Prüfung kommen also in der Regel noch weitere Kosten auf Sie zu, zum Beispiel für das Chartern eines Segelbootes für einen Urlaub. Vielleicht wollen Sie sich sogar ein eigenes Segelboot kaufen, was neben dem eigentlichen Kaufpreis noch weitere Kosten, etwas für Versicherungen oder einen Liegeplatz, nach sich zieht. Im Falle eines Bootskaufes käme als Finanzierungsmöglichkeit auch ein Ratenkredit infrage. Diese Lösung ist vor allem dann attraktiv, wenn Sie das Boot zeitweise verchartern oder anderweitig damit Geld verdienen wollen, sodass Sie die Kreditraten unter Umständen steuerlich geltend machen können.


Segelschein-Kosten lassen sich optimieren

Wenn Sie nicht nur mit einem sehr kleinen Segelboot und auf begrenzten Gewässern unterwegs sein möchten, kommen Sie um den Erwerb eines Sportbootführerscheines und gegebenenfalls noch weiterer Zertifikate oder Befähigungsnachweise nicht herum. Doch abgesehen von den rechtlichen Vorschriften lohnt sich ein Segelschein-Kurs auch schon wegen der umfangreichen seemännischen Fähigkeiten und des Wissens über Verkehrsvorschriften auf dem Wasser, Navigation und Technik, das dabei vermittelt wird. Die Kosten für den Segelschein belaufen sich regelmäßig auf mehrere Hundert Euro. Falls Sie mehrere Scheine und Befähigungsnachweise anstreben, kann dabei auch schnell ein vierstelliger Euro-Betrag zusammenkommen. Durch eine sorgfältige Planung, die Nutzung von Rabattmöglichkeiten und eine gute Abstimmung der Angebote auf Ihre individuelle Lebenssituation können Sie die Kosten jedoch oftmals optimieren. Vergleichen Sie dazu nicht nur verschiedene Angebote, sondern bedenken Sie möglichst von Anfang an, ob Sie eventuell später noch andere Scheine benötigen oder ob Sie den Segelscheinkurs und die Prüfung gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern absolvieren möchten.


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