• Nachhaltig investieren - Wie geht das?

Nachhaltig investieren: Wie es geht und warum es sich lohnt

Immer mehr Anleger wollen Gutes tun mit ihrem Geld – doch die Auswahl ist enorm. Da hilft es, einen Schritt zurückzutreten, um sich einen Überblick zu verschaffen. Peter Körndl weiß, worauf es ankommt. Als Head of Sustainability Asset Management gehört er zu den Nachhaltigkeitsexperten der Commerzbank. Im Interview erklärt er, wie nachhaltiges Investieren funktioniert, welche Rolle sogenannte ESG-Kriterien dabei spielen und wie es um die Rendite dieser Anlageformen bestellt ist.

Herr Körndl, was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Im Grunde geht es um Zukunftsorientierung und Verantwortungsbewusstsein – und zwar in Bezug darauf, was man tut und wie man es tut. Privat versuche ich zum Beispiel Plastikmüll zu vermeiden und erzeuge selbst Strom über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Die Commerzbank als Unternehmen wiederum arbeitet mit dem Bergwaldprojekt zusammen und trägt so dazu bei, den Wald in Deutschland zu schützen.

Peter Körndl ist Head of Sustainability Asset Management bei der Commerzbank. In dieser Funktion betreut er die nachhaltige Vermögensverwaltung und treibt die Weiterentwicklung des nachhaltigen Investierens im gesamten Asset Management voran.
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Was macht eine nachhaltige Geldanlage aus?

Bei dieser Anlageform geht es nicht allein darum, dass sich eine Investition nur finanziell lohnen soll. Wer nachhaltig investiert, möchte sein Geld in zukunftsorientierten Unternehmen anlegen. Diese sollen darauf achten, welche Auswirkungen ihr Geschäftsmodell auf Mensch, Natur und Umwelt hat, und sich dabei an globalen Nachhaltigkeitsstandards orientieren.

Wer sich über das Thema „nachhaltig investieren“ informiert, stößt schnell auf die so- genannten ESG-Kriterien. Was hat es damit auf sich?

ESG steht für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance). Diese drei Kriterien umfassen die wesentlichen Aspekte einer nachhaltigen Geldanlage. Beim Kriterium Umwelt geht es zum Beispiel um Ressourceneffizienz, der Aspekt Soziales umfasst unter anderem Menschenrechte und den Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gute Unternehmensführung wiederum ist die Klammer, die alles verbindet. Sie schafft die Basis für verantwortungsvolles Handeln in allen Bereichen.

Geht es um Nachhaltigkeit, denken viele an das Thema Umwelt. Doch nachhaltig ist nicht gleich öko. Warum sollten Anleger stets auf alle Kriterien achten?

Nur so lässt sich umfassend beurteilen, ob ein Unternehmen verantwortungsvoll handelt. Nehmen wir als Beispiel eine Firma, die Windkraftanlagen baut. Aus Umweltsicht ist das positiv. Doch wie sieht es aus, wenn bestimmte Metalle für die Turbinen durch Kinderarbeit gewonnen werden? Solche Menschenrechtsverletzungen übersieht, wer sich allein auf den Umweltaspekt konzentriert. Deshalb braucht es einen ganzheitlichen Blick, der die Kriterien „S“ für Soziales und „G“ für verantwortungsvolle Unternehmensführung einschließt.

Wie berücksichtigen Fondsmanager die ESG-Kriterien, um passende Titel zu finden?

Fondsmanager bewerten die ESG-Kriterien von Unternehmen oft mithilfe von Ratings. Dazu nutzen sie häufig Auswertungen von Ratingagenturen sowie gegebenenfalls eigene Analysen. Wie gut die Unternehmen auf einer solchen Ratingskala abschneiden müssen, um einen Platz im Portfolio zu ergattern, unterscheidet sich dabei je nach Fonds. Ein gutes ESG-Rating heißt aber noch lange nicht, dass Fondsmanager tatsächlich in diese Firmen investieren. Vielmehr ist die Bewertung meist eine Vorstufe der Auswahl, die mit weiteren Analysen verbunden wird.

Warum ist es so wichtig, das ESG-Rating mit weiteren Auswahlmethoden zu verknüpfen?

Die reine ESG-Betrachtung lässt offen, in welche Unternehmen oder Branchen das Geld der Anleger fließt. So kann zum Beispiel ein Waffenhersteller ein gutes ESG-Rating haben. Abhilfe schaffen hier unter anderem Ausschlusskriterien. Bestimmte Anlagethemen sind demnach grundsätzlich tabu – zum Beispiel Waffen, Alkohol oder Pornografie. Darüber hinaus arbeiten viele Fondsmanager mit Positivkriterien. Es wird bewusst in Wirtschaftszweige investiert, die den nachhaltigen Wandel der Wirtschaft vorantreiben. Mit dem Impact Investing lässt sich diese Wirkung sogar messen. So gibt es zum Beispiel Fonds, die Unternehmen danach bewerten, inwieweit sie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erfüllen.

Für Anleger gibt es unterschiedliche Wege, Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt zu übernehmen. Am Ende des Tages soll sich eine Geldanlage aber auch rechnen. Bringen nachhaltige Anlagelösungen eine ordentliche Rendite?

Wer clever nachhaltig investiert, profitiert auch finanziell. Das hat vor allem zwei Gründe. Erstens: Unternehmen, die verantwortungsvoll wirtschaften, können sich langfristig besser behaupten als Unternehmen, die nur auf den schnellen Gewinn aus sind. Zweitens: ESG-Kriterien legen zusätzliche Risiken offen. Die VW-Abgasaffäre oder auch die Explosion einer Ölplattform von BP zeigen, wie Fehlentscheidungen in der Unternehmensführung dem Börsenwert eines Unternehmens schaden können. Anleger, die auf ESG-Kriterien achten, erweitern die Analyse um zusätzliche Risikoaspekte. So können sie Hinweise auf entsprechende Ereignisse erhalten, frühzeitig reagieren und sich beispielsweise von bestimmten Wertpapieren trennen.

Nachhaltigkeit und Rendite: Das sagt die Forschung

Nachhaltige Geldanlagen bringen im Vergleich zu konventionellen Anlagen keine Renditenachteile mit sich. Im Gegenteil: In der Gesamtbetrachtung wirkt sich die Einbindung von ESG-Kriterien positiv auf die Wertentwicklung aus.

Nachhaltig investieren bringt allerdings auch Risiken mit sich

Wo Chancen sind, gibt es eben auch Risiken. Deshalb sollten die Anlagen breit gestreut werden, um Risiken zu begrenzen. Ein gutes Beispiel für Risiken ist die Entwicklung vor allem deutscher Solarmodulproduzenten vor einigen Jahren. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wirkten die Wertpapiere dieser Unternehmen attraktiv und auch aus finanzieller Sicht waren sie lange Zeit gefragt. Die zunehmende Konkurrenz aus Asien hat die Kurse dann aber massiv belastet. Für Anleger, die nur auf diese Unternehmen gesetzt hatten, waren die Investitionen dann ein ökonomisches Desaster. Deshalb ist es wichtig, immer auf eine breite Risikostreuung zu achten.

Wenn ich als Anleger nachhaltig investieren will: Wie gehe ich am besten vor?

Wer ein Produkt finden will, das zum persönlichen Nachhaltigkeitsverständnis passt, kommt nicht daran vorbei, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Erfahrungsgemäß helfen die folgenden fünf Schritte dabei.

Grundsatz klären: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Was als nachhaltig gilt, ist vor allem eine Frage der eigenen Sichtweise. Der eine findet es prima, Wertpapiere eines Elektroauto-Herstellers zu halten, der andere lehnt es ab. Der eine hat kein Problem damit, in eine Brauerei zu investieren, der andere findet es unverantwortlich. Jede Anlegerin und jeder Anleger hat ein eigenes Verständnis von Nachhaltigkeit. Klären Sie für sich, welche Themen Sie unterstützenswert finden und welche Sie vermeiden wollen. Damit schaffen Sie die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.

Investitionsstil festlegen: Einzelwerte vs. Fonds und ETFs?

Grundsätzlich haben Sie die Möglichkeit, alle Wertpapiere für Ihr nachhaltiges Portfolio selbst auszuwählen und zu kaufen. Das ist allerdings sehr zeitaufwendig und erfordert viel Fachwissen. Sie müssen jedes Unternehmen analysieren. Zudem brauchen Sie einen recht üppigen Kapitalstock, um den Anlagegrundsatz der breiten Streuung zu erfüllen. Demnach sollte Ihr Portfolio aus mehr als 40 bis 50 Wertpapieren bestehen, die sich auf unterschiedliche Wirtschaftszweige und Länder verteilen.

Fonds und ETFs hingegen bieten den Vorteil, dass Fondsmanager für Sie die geeigneten Titel auswählen beziehungsweise automatisch ein Börsenindex nachgebildet wird. Sie brauchen sich also um nichts zu kümmern. Was Fonds und ETFs auszeichnet beziehungsweise unterscheidet, können Sie hier nachlesen.

Genau hinschauen: Welche Produkte erfüllen Ihre Erwartungen?

Wie genau Fonds und ETFs nachhaltig investieren, unterscheidet sich je nach Anlagelösung. Schauen Sie daher auf den Internetseiten der Fondsgesellschaften nach, wie Ihr Geld angelegt wird. Prüfen Sie diese Informationen und beantworten Sie insbesondere die folgenden Fragen:

  • Investiert der Fonds oder der ETF nach Grundsätzen, die ich befürworte?
  • Werden Anlagethemen ausgeschlossen, die ich ablehne?
  • Ist der Fonds oder der ETF ausreichend breit gestreut (siehe Punkt 2)?
  • Passt die Anlagestrategie des Fonds zu meinen Vorstellungen und meinem Risikobewusstsein?

Ergänzend können Sie einen Blick auf die größten Wertpapiere im Portfolio werfen, um tiefer in die Materie einzutauchen. Wenn der Fonds hier Ihre Anforderungen erfüllt, sind Sie einen großen Schritt weiter.

Anlagetyp ermitteln: Wie risikobereit sind Sie?

Breit gestreute Investitionen in Wertpapieren bieten gute Ertragsaussichten – sie sind allerdings auch mit Risiken verbunden. Welche Fonds oder ETFs für Sie infrage kommen, hängt daher von ihrer persönlichen Risikotragfähigkeit ab. Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, sind Produkte im Angebot der Commerzbank mit einem Risikoindikator gekennzeichnet.

Vorgehen festlegen: Einmal oder regelmäßig investieren?

Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, welche Anlageziele Sie verfolgen. Je nachdem, welches Budget Sie verwenden wollen, entscheiden Sie sich für eine Einmalanlage, einen Sparplan oder eine Kombination aus beidem. Wichtig: Bei Investitionen am Aktienmarkt sollten Sie einen langen Anlagezeitraum einplanen, um kurzfristige Marktschwankungen ausgleichen zu können.

Es gibt beim Thema „nachhaltig investieren“ also viel zu beachten. Was können Anleger tun, um sich die Suche nach dem passenden Produkt zu erleichtern?

Wenn es darum geht, aus den vielfältigen Anlagemöglichkeiten die richtige auszuwählen, sind die Beraterinnen und Berater der Commerzbank gerne für Sie da. Sie kennen sich mit dem umfassenden Produktangebot bestens aus und ermitteln mit Ihnen gemeinsam jene Anlagelösungen, die Ihrem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen, mit Ihrer Risikoneigung übereinstimmen und zu Ihren Anlagezielen passen.

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