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    Immobilienmarkt: Trotz Corona keine Krise

Die Corona-Krise hat seit Mitte März großen ökonomischen Schaden angerichtet. Experten rechnen damit, dass Deutschlands Wirtschaft im laufenden Jahr um 5,1 Prozent schrumpft1. Wer auf der Suche nach Wohneigentum ist, hatte daher im Frühjahr vermutlich die leise Hoffnung ,,Das ist die Bremse für den Anstieg der Immobilienpreise“. Auf dem Wohnungsmarkt hat die Corona-Pandemie bisher jedoch nicht zu einem Preisrutsch geführt. Im Gegenteil, der Aufwärtstrend der Immobilienpreise aus den Vorjahren setzt sich fort. Die Gefahr einer Immobilienblase sehen Experten aber nicht. Das hat ganz unterschiedliche Gründe.

Ob Metropole oder auf dem Land: Preisrutsch Fehlanzeige

Zunächst einmal hilft ein Blick auf die Gruppe derer, die ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchten. 51 Prozent der Nicht-Eigentümer hätten gerne Wohneigentum. Das ergab Anfang 2020 eine repräsentative Studie des Immobilienverbands Deutschland. Und diese 51 Prozent stehen für viele Millionen Menschen. Denn laut Statistischem Bundesamt wohnen weniger als die Hälfte der Deutschen in einer eigenen Immobilie.

Das Bundesamt verfolgt auch die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Die jüngste Nachricht zu dem Thema kommt für manche vielleicht überraschend: Die Immobilienpreise in Deutschland stiegen zwischen Juli und September schätzungsweise um 7,8 Prozent, verglichen mit dem Vorjahresquartal2. Der Preisrutsch bleibt aus. Das gilt vor allem für die sieben größten Städte Deutschlands wie Berlin, Hamburg und München. Aber auch auf dem Land registrierte das Bundesamt in diesem Jahr steigende Immobilienpreise, wenngleich weniger stark.

Nicht trotz, sondern wegen Corona: keine Krise in Sicht

Warum das so ist, erklärt ein einfacher Zusammenhang, der sich während der Corona-Krise noch verstärkt hat: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Eine umfangreiche Studie von IW Consult stellte zum Immobilienmarkt kürzlich fest3: Seit März 2020 ist insbesondere die Nachfrage zum Kauf von Einfamilienhäusern stark gestiegen. Ganz anders sieht es auf der Angebotsseite aus. Die Immobilien-Inserate für den Kauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen liegen deutlich unter dem Niveau von Anfang 2019.

Die Zurückhaltung möglicher Verkäufer ist verständlich. Gerade jetzt gelten Immobilien als sichere Wertanlage in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Und auch emotional haben die eigenen vier Wände in der Krise gepunktet. Sie stehen für einen sicheren Ort in Zeiten des Lockdowns. Das bedeutet Lebensqualität und die Möglichkeit, sich leichter ein Home-Office einzurichten.

Mehr bauen – der Schlüssel für niedrigere Immobilienpreise

Auch durch Neubauten würde sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt verändern. Die Bundesregierung hat sich das zum Ziel gesetzt. Jährlich müssten laut Politik und Bauwirtschaft 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen entstehen. So ließe sich die große Nachfrage besser befriedigen. Tatsächlich fertiggestellt werden 2020 aber nur etwa 300.000 Wohnungen4. Diese Prognose nennt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

Faktor Finanzierungskosten: weiterhin günstige Bedingungen

Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Die Finanzierungsbedingungen für Wohnimmobilien haben sich in der Corona-Krise nicht verändert: Kredite bieten günstige Zinssätze, Banken verlangen weniger Eigenkapital beim Kauf oder Bau. Und da die Zinsen vermutlich auch in den kommenden Jahren niedrig bleiben, sind böse Überraschungen bei Anschlusskrediten unwahrscheinlich. Familien erhalten zusätzlich die Förderung durch das Baukindergeld: Pro Kind gibt es 12.000 Euro Zuschuss, ausgezahlt in zehn jährlichen Raten zu je 1.200 Euro. Wer in Bayern eine Immobilie baut oder kauft, bekommt pro Kind und Jahr sogar noch einmal 300 Euro obendrauf. Möglich macht das die bayerische Landesregierung mit dem Baukindergeld Plus5.

Auch durch mehr Neubauten würden die Preise auf dem Immobilienmarkt sinken
Die Bedingungen, um den Kauf von Haus oder Wohnung zu finanzieren, bleiben vor allem für Familien günstig

Fazit: Immobilienblase nicht in Sicht

Aus Sicht von Experten ist daher die Gefahr einer Immobilienblase nicht gegeben. Möglich ist zwar, dass die Corona-Krise auf lange Sicht doch noch Spuren bei den Preisen hinterlässt. Zum Beispiel könnten bei einer tiefen Rezession Faktoren wie Privat-Insolvenzen eine stärkere Rolle spielen. Manche Immobilienbesitzer wären dann gezwungen zu verkaufen, das Angebot auf dem Markt würde steigen. Ob das passiert, lässt sich derzeit aber nicht seriös vorhersagen.

Wer in die eigenen vier Wände ziehen möchte, sollte daher zugreifen, wenn ein Angebot attraktiv und finanzierbar ist.

Wichtig ist zudem, die Nebenkosten beim Immobilienkauf im Blick zu haben. Eine Übersicht zeigt Ihnen dieser Beitrag.

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