• Ist ein Elektroauto das Richtige für mich?

E-Mobilität: Ist ein Elektroauto das Richtige für mich?

Nach einem schleppenden Start des Netzausbaus für Elektroautos tritt die Bundesregierung nun aufs Gaspedal. Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um ein solches Auto zu kaufen? Welcher Antrieb ist der beste? Und ist die E-Mobilität tatsächlich so umweltfreundlich, wie es scheint?

Das Wichtigste in Kürze

  • E-Autos sind jetzt schon umweltfreundlicher als Verbrennermotoren
  • 520.000 E-Autos sind bereits zugelassen
  • Das Ladesäulennetzwerk wächst kontinuierlich
  • Staatliche Förderungen machen Elektroautos für viele erschwinglich
  • Für jedes Fahrprofil gibt es den passenden Antrieb

Bis zum Jahresende 2020 sollten eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen rollen. Dieses ambitionierte Ziel hat sich die Bundesregierung im August 2009 gesetzt. Der damals beschlossene „Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität“ zielte darauf ab, Deutschland zu einem „Leitmarkt der Elektromobilität“ zu machen. Nun ist klar: Ganz hat es nicht geklappt. Dennoch zeigen die Zahlen einen positiven Trend. Gut 520.000 „elektrifizierte Personenwagen“, also reine Elektroautos und Plug-in-Hybride, wurden inzwischen zugelassen. Bei Letzteren handelt es sich um Fahrzeuge, die von einem Verbrennungs- und einem Elektromotor angetrieben werden. Im Unterschied zu normalen Hybridfahrzeugen kann der Fahrer den Elektromotor bei Plug-in-Hybriden eigenständig aufladen.

Was muss ich beim Kauf eines Elektroautos beachten?

Noch fremdeln viele Deutsche mit Elektroautos. Laut der „Continental Mobilitätsstudie 2020“1 findet mehr als jeder Zweite, dass die E-Mobilität nicht in sein Leben passt. Doch das Interesse steigt, denn 41 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Die gute Nachricht: Für fast alle Fahrprofile gibt eine passende Alternative zu Diesel- und Benzinfahrzeugen. Wichtig dabei ist, bei der Auswahl das eigene Umfeld im Blick zu haben. Gibt es genug Ladestationen in der Nähe? Falls nicht, habe ich die Möglichkeit, mir einen Ladeanschluss zuhause installieren zu lassen? Welche Strecken lege ich täglich zurück? Bereits diese drei Fragen geben wichtige Hinweise darauf, ob ein Elektroauto die passende Lösung ist.

Relevant ist auch die Frage nach den Kosten. Gerade in der Anschaffung erscheinen Elektroautos auf den ersten Blick sehr teuer zu sein. Allerdings fördert der Staat die E-Mobilität mit großzügigen Prämien – und manche Kunden können sogar weitere Zuzahlungen in Anspruch nehmen. Doch die meisten Bedenken haben die Deutschen, wenn es um Reichweite und Ladeinfrastruktur der Elektroautos geht. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov würde sich fast jeder Dritte (31 Prozent) als nächstes ein Elektroauto zulegen – wenn es mehr Ladesäulen2 gäbe. Lesen Sie in den folgenden Absätzen, welche dieser Probleme tatsächlich noch bestehen und welche Vorteile die alternativen Antriebe im Einzelnen haben.

Gibt es überhaupt genug Lademöglichkeiten?

Die Anzahl der Ladepunkte in Deutschland wächst zwar seit Jahren an, ist aber noch nicht ausreichend. Dies bestätigt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Laut Angaben des Verbandes sind zum Betrieb von einer Million Elektroautos insgesamt rund 70.000 Normalladepunkte und 7.000 Schnellladepunkte nötig. Dies wäre als Grundausstattung ausreichend – und doch existieren bisher erst 33.107 Ladepunkte (Stand: November 2020). Nur etwa jeder zehnte davon ist ein Schnelllader. Zum Vergleich: 2016 existierten in Deutschland lediglich rund 6.500 öffentliche Ladesäulen, 165 davon waren schnellladefähig. Die Ladeinfrastruktur wächst also.

Um den Ausbau des Ladesäulennetzes zu beschleunigen, hat die Bundesregierung nun einem Gesetzentwurf von Verkehrsminister Andreas Scheuer zugestimmt. Das Gesetz soll noch im Frühjahr von Bundesrat und Bundestag verabschiedet werden. Es schafft die Grundlage für ein öffentliches Schnellladenetz mit 1.000 Standorten, das bis 2023 installiert werden soll. Damit geht die Regierung einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Was bedeutet das für mich als Käufer? Die gerade beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass der Wille zum Ausbau der Ladeinfrastruktur besteht. In Zukunft wird sich das Netz verdichten und immer mehr Menschen werden Zugang zu Ladestationen in der Nähe ihrer Wohnung haben. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung seit Ende vergangenen Jahres auch private Ladepunkte fördert. Diese müssen dazu unter anderem über eine Normalladeleistung von 11 Kilowatt verfügen und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Pro Ladepunkt zahlt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine Förderpauschale von 900 Euro.

Tipp:
Auf www.ladesaeulenregister.de finden Sie Ladestationen in Ihrer Umgebung. Wichtige Informationen zur Förderung von privaten Ladepunkten erhalten Sie hier.

Ist ein E-Auto-Kauf finanziell eine gute Entscheidung?

Ein weiteres Kriterium, das Käufern bei der E-Mobilität wichtig ist, sind die Preise der Fahrzeuge. Gemessen am Listenpreis sind Elektroautos momentan noch deutlich teurer als vergleichbare Verbrenner. Fördergelder gleichen diesen Nachteil aber fast aus. Aktuelle Zulassungszahlen zeigen, dass Elektroautos immer attraktiver werden: Im Januar 2021 betrug deren Marktanteil 9,6 Prozent, insgesamt 16.315 reine E-Fahrzeuge wurden zugelassen. Damit hat sich der Absatz im Vergleich zu Januar 2020 um rund 117 Prozent gesteigert.

Die Höhe der ausgezahlten Prämien hat bereits im vergangenen Jahr massiv zugenommen. Während 2019 noch rund 98 Millionen Euro ausgezahlt wurden, waren es im vergangenen Jahr 652 Millionen Euro. Dank der großzügigen Fördergelder dürfte der Preis für die meisten Interessenten kein Ausschlusskriterium mehr sein. Erfreulich außerdem: Elektroautos werden in Zukunft voraussichtlich günstiger, weil die Entwicklungskosten für die Automobilindustrie immer weniger ins Gewicht fallen.

Welche Förderungen gibt es für E-Auto Käufer?

Seit Juni vergangenen Jahres zahlt die Bundesregierung den sogenannten „Innovationsbonus“. Dabei übernimmt die Bundesregierung zwei Drittel der Fördersumme. Das verbleibende Drittel zahlen die Automobilhersteller selbst. Die Kaufprämie gilt für alle Elektroautos, Brennstoffzellenfahrzeuge und förderfähigen Plug-in-Hybride, die nach dem 4. Juni 2020 zugelassen wurden. E-Auto-Käufer können den Zuschuss von aktuell maximal 9.000 Euro noch bis Ende 2025 beantragen. Für reine Elektrofahrzeuge ist außerdem eine sogenannte Doppelförderung möglich, bei der der „Innovationsbonus“ mit weiteren Prämien kombiniert wird. Dazu gehören zum Beispiel Förderungen, die Städte und Gemeinden im Rahmen eigener Umweltprogramme zahlen.

Ausschlag für die Höhe der Prämie geben die Listenpreise:

  • Für Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge bis 40.000 Euro beträgt die Prämie 9.000 Euro;
  • Für Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge zwischen 40.000 und 65.000 Euro beträgt die Prämie 7.500 Euro;
  • Für Plug-in-Hybride bis 40.000 Euro beträgt die Prämie 6.750 Euro;
  • Für Plug-in-Hybride zwischen 40.000 und 65.000 Euro beträgt die Prämie 5.625 Euro.

Tipp: Hier finden Sie die Liste förderfähiger Fahrzeuge .

Wie umweltfreundlich ist die E-Mobilität überhaupt?

Die Hürden auf dem Weg zu sauberer Mobilität schwinden. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach der Umweltbilanz. Insbesondere die Herstellung solcher Elektrofahrzeuge ist noch immer sehr CO2-intensiv. Tatsächlich werden dabei sogar mehr Treibhausgase freigesetzt als bei der Herstellung von Verbrennern. Dafür ist hauptsächlich die Batterieproduktion verantwortlich. Der hierfür notwendige Strom stammt häufig noch aus fossilen Energien. Außerdem wird die Batterieproduktion oft wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen und der Nutzung seltener Erden wie Kobalt und Lithium kritisiert. Bestrebungen der Automobilindustrie, den aktuellen Zustand zu verbessern, erlauben allerdings einen optimistischen Blick in die Zukunft. Schon jetzt zeigen sich die Vorteile emissionsfreier Autos beim Fahren: Über eine Laufzeit von 200.000 Kilometern mit dem durchschnittlichen europäischen Strommix emittieren Elektroautos deutlich weniger CO2 als Benziner oder Diesel. Bezogen auf den gesamten Produktions- und Lebenszyklus sind Elektroautos also bereits umweltfreundlicher als solche mit Verbrennungsmotor.

Durch die sich stetig verbessernden Produktionsbedingungen dürfte sich der CO2-Ausstoß bei der Produktion in Zukunft weiter verringern. Zu den dafür nötigen Maßnahmen gehört beispielsweise die Verwendung von Ökostrom. Dies sorgt sowohl in der Produktion als auch beim Fahren dafür, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 sinkt. Umweltbedenken sollten bei der Kaufentscheidung also keine große Rolle mehr spielen.

Was sind eigentlich Brennstoffzellenfahrzeuge?

Brennstoffzellenautos fahren mit Wasserstoff – elektrisch und lokal emissionsfrei.

Neben Elektroautos und Plug-in-Hybriden ist in Bezug auf die E-Mobilität immer wieder auch von Brennstoffzellenfahrzeugen die Rede. Mit den anderen beiden Typen gemeinsam haben diese Autos den elektrischen Antrieb. Der große Unterschied liegt bei der Energiequelle. Während Elektroautos und Plug-in-Hybride ihre Energie aus Batterien ziehen, produziert ein Brennstoffzellenfahrzeug sie selbst. Die Autos werden mit flüssigem Wasserstoff betankt, der in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff reagiert. Dabei entsteht Strom, der letztlich einen Elektromotor antreibt.

Obwohl sie einen klassischen Auspuff haben, sind solche Fahrzeuge in Bezug auf die Emissionen beim Fahren ebenso umweltfreundlich wie Elektroautos, denn sie stoßen nur Wasserdampf aus. Außerdem ist auch bei Brennstoffzellenautos die Treibstoffproduktion zu beachten. Aktuell gewinnen viele Hersteller den Wasserstoff meist unter hohem Energieaufwand aus fossilen Energien. Wie Elektroautos sind also auch Brennstoffzellenfahrzeuge in der Regel nur lokal emissionsfrei. Die zunehmend umweltfreundlichere Produktion von Strom und Wasserstoff sollte dieses Problem aber in Zukunft abmildern.

Wie alltagstauglich sind Brennstoffzellenfahrzeuge?

Ein großer Vorteil von Brennstoffzellenautos ist ihre hohe Reichweite. Sie liegt annähernd gleich auf mit der von Verbrennern. So können auch Fahrer, die häufig große Strecken zurücklegen, auf ein solches Fahrzeug vertrauen. Ein weiteres Plus ist die kurze Tankdauer. Mit gerade einmal drei bis fünf Minuten entspricht sie fast der eines Autos mit Verbrennungsmotor. Doch es gibt auch Nachteile. So ist beispielsweise das Netzwerk an Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland noch sehr dünn. Kooperationen wie H2 Mobility arbeiten allerdings kontinuierlich am Ausbau der Infrastruktur. Das Basisnetz existiert schon jetzt. Brennstoffzellenfahrzeuge bieten also eine Reihe von Vorteilen. In Bezug auf ihre Alltagstauglichkeit stünden sie Benzinern und Dieseln in nichts nach, gäbe es mehr Tankstellen.

Welcher Antrieb passt zu mir?

Elektroautos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge: Sie alle haben spezielle Vor- und Nachteile, abhängig vom jeweiligen Einsatzgebiet.

  • Elektroautos weisen über den gesamten Lebenszyklus gesehen schon jetzt eine deutlich bessere Umweltbilanz auf als Verbrenner. Die meisten Modelle haben allerdings noch recht geringe Reichweiten, sind also besonders für Kurzstreckenfahrer ein Gewinn. Wer längere Strecken fährt, sollte darauf achten, ein Elektroauto mit hoher Reichweite zu erwerben (siehe Tabelle). Wer regelmäßig besonders weit fahren muss, profitiert möglicherweise eher von einem Brennstoffzellenfahrzeug.
  • Plug-in-Hybride bieten die gleichen Reichweiten wie Verbrenner, sind aber aus Umweltsicht deutlich weniger attraktiv als die beiden anderen Varianten. Ihre elektrische Reichweite ist sehr gering, also nutzen sie beim Fahren meist den Verbrennungsmotor. Steht bei der Kaufentscheidung der Umweltschutz im Vordergrund, kommen Plug-in-Hybride also nur für kurze Strecken infrage. Mit Elektroautos können sie allerdings nicht mithalten.
  • Brennstoffzellenfahrzeuge sind beinahe genauso alltagstauglich wie Verbrenner. Sie bieten ähnlich hohe Reichweiten und lassen sich genauso schnell auftanken. Dabei sind sie ebenso umweltfreundlich wie Elektroautos. Allerdings existieren in Deutschland bisher nur recht wenige Wasserstoff-Tankstellen und die aktuell verfügbaren Modelle sind vergleichsweise teuer (siehe Tabelle).

In der folgenden Tabelle finden Sie die wichtigsten Eigenschaften von Elektroautos, Brennstoffzellenfahrzeugen und Plug-in-Hybriden auf einen Blick.

E-Mobilität: die Antriebsarten im Vergleich*

Antriebsart Elektro Plug-in-Hybrid Brennstoffzelle
Anschaffungskosten Ab 15.000 Euro Ab 25.000 Euro Ab 54.000 Euro
Reichweite Im Durchschnitt 435 Kilometer k.A. Im Durchschnitt 500 bis 750 Kilometer
Elektrische Reichweite Im Durchschnitt 435 Kilometer Im Durchschnitt 35 bis 50 Kilometer Im Durchschnitt 500 bis 750 Kilometer
Lade- / Tankdauer Zwischen etwa 30 Minuten (geringe Batteriekapazität und Schnelllader) und 42 Stunden (hohe Batteriekapazität und Haushaltssteckdose). Zwischen 30 Minuten (geringe Batteriekapazität und Schnelllader) und 5 Stunden (hohe Batteriekapazität und Haushaltssteckdose). Etwa 3 bis 5 Minuten
Anzahl der Tankstellen in Deutschland 33.107 (Stand: 2020) 14.447 (Stand: 2020)** 87 (Stand: 2020)

* Quellen: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Statista, efahrer.chip.de, firmenauto.de, carwow.de.

** Dabei handelt es sich um die Gesamtzahl der Tankstellen in Deutschland, da Plug-in-Hybride auch nur mit dem Verbrennungsmotor betrieben werden können.

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1 https://www.continental.com/de/presse/pressemitteilungen/mobilitaetsstudie-elektromobilitaet-244200

2 https://efahrer.chip.de/news/zu-teuer-und-zu-wenig-reichweite-vorbehalte-gegenueber-e-autos-immer-noch-gross_104142