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Marktmeinung der Woche – 22.06.2018

Richtungsweisender EU-Gipfel in Brüssel

  • Flüchtlingspolitik und EU-Reform auf der Tagesordnung
  • Produktionsausweitung beim erweiterten OPEC-Treffen
  • Kerninflation im Euroraum wichtigstes Datum für die EZB
  • Handelsstreit zwischen USA und China im Fokus

Der detaillierte Blick auf die kommende Woche

Ende kommender Woche treffen sich die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel zu einem richtungsweisenden Gipfel hinsichtlich der EU-Reformen. Da am kommenden Sonntag ein Sondertreffen zur Flüchtlingspolitik in Brüssel auf Initiative Merkels stattfindet und eine Zustandekommen eines Kompromisses beim EU-Gipfel wichtig für den Fortbestand der deutschen Bundesregierung ist, wird die Flüchtlingspolitik ebenfalls einen prominenten Platz beim Gipfel einnehmen. Schon im Vorfeld zum „Mini-Gipfel“ hat sich Italien verärgert gezeigt, da wohl eine Abschlusserklärung vorbereitet worden war, mit der Italien nicht einverstanden ist. Ein Kompromiss wird schwierig.

Vor allem bietet der EU-Gipfel die letzte Gelegenheit vor der Wahl des Europaparlaments im kommenden Frühjahr noch Reformen auf den Weg zu bringen, für die sich vor allem der französische Präsident Macron einsetzt hat. Deutschland und Frankreich haben sich bereits auf eine gemeinsame Linie für das Gipfeltreffen verständigt. So sollen dem Rettungsfonds ESM neue Aufgaben zugewiesen werden. Er soll – ähnlich wie der IWF – die Entwicklung der Mitgliedsländer und etwaiger Hilfsprogramme überwachen und Krisenprävention betreiben. Zudem wird er als Letztabsicherung für den Bankenabwicklungsfonds fungieren. Neben dem ESM soll ein Haushalt für den Euroraum eingeführt werden. Da sich viele Länder gegen ein gemeinsames Budget aber sträuben, dürfte das Budget ein vergleichsweise geringes Volumen haben, das eher bei 20 bis 25 Mrd. EUR liegen wird als bei 1 % des Euroraum-BIP (ca. 110 Mrd. EUR) wie Macron gefordert hat. Die Standpunkte der einzelnen Länder dazu sind sehr unterschiedlich. Während Macron die EU stabilisieren will, sehen andere Länder ein Budget als wirkungslos, manche sogar als kontraproduktiv an. Dies zeigt sich auch in der Position Italiens, das durch schuldenfinanzierte zusätzliche Ausgaben und Steuersenkungen die Wachstumsschwäche überwinden möchte, was Deutschland aber als unverantwortliche Anhäufung von Schulden sieht. Die hohen Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen spiegeln auch eine gewisse Skepsis.

Bei den Wirtschaftsdaten stehen nächste Woche vor allem der Ifo-Geschäftsklimaindex für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und die Preisdaten aus Deutschland und dem Euroraum für die EZB-Geldpolitik im Fokus.

Für alle Asset-Klassen bleibt der Handelsstreit zwischen den USA und China, der zu eskalieren droht, eine Belastung.

Renten
Die immer noch hohen Spreads in der Euro-Peripherie, insbesondere in Italien, sprechen weiterhin dafür, dass Bundesanleihen und erstklassige Euro-Staatsanleihen bevorzugt nachgefragt werden. Positive Nachrichten vom EU-Gipfel, insbesondere hinsichtlich der Reform, können die Risikoaufschläge der Peripherie drücken. Die Aussicht auf eine spätere Zinserhöhung der EZB, erst nach dem Sommer 2019, dürfte auch durch die Preisdaten nächste Woche nicht ins Wanken geraten und die Zins-Futures kaum beeinflussen.

Währungen
Der Euro konnte sich zum Wochenschluss aufgrund der besser als erwarteten Einkaufsmanagerindizes wieder stärken. Die wachsenden Renditevorteil von US-Treasuries und die guten US-Konjunkturdaten sprechen weiterhin für einen stärkeren US-Dollar.

Aktien
Die Handelskriegsthematik bleibt derzeit der wichtigste Faktor für die Stimmungslage an den Aktienmärkten. Es bleibt abzuwarten, ob sich die jüngsten positiven Signale aus den USA bestätigen. Ansonsten dürfte, wie auch schon der Vorwoche eine größere Unterstützung von der Makroseite ausbleiben.

Rohstoffe
Heute beginnt das erweiterte OPEC-Treffen. Man rechnet mit einer Produktionsausweitung um 500.000 Mio. Barrel pro Tag, die vor allem von Russland und Saudi-Arabien vorangetrieben wird. Eine Ausweitung liegt nahe, da Produktionsausfälle (z.B. Venezuela) ausgeglichen werden müssen. Wenn sich Russland und Saudi-Arabien durchsetzen sollte mit einer Ausweitung der Förderung um mehr als 1 Mio. Barrel pro Tag, könnte der Ölpreis deutlicher sinken.