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Marktmeinung der Woche – 07.12.2018

Show Down in Sachen Brexit

  • Chaos-Woche im britischen Parlament
  • EZB-Rat beschließt Einstellung der Nettoanleihekäufe
  • Bodenbildung an den Aktienmärkten?
  • OPEC mit Förderkürzung erwartet

Der detaillierte Blick auf die kommende Woche

Am Dienstag stimmt das britische Parlament über den EU-Austrittsvertrag ab. Es ist davon auszugehen, dass der bisherige Vertragsvorschlag der Premierministerin May abgelehnt wird. In dieser Richtung hat sich die erkennbare Mehrheit der Parlamentarier in den heftigen Debatten dieser Woche positioniert. Gegner und Befürworter des Brexit kritisieren das Regelwerk gleichermaßen scharf. Das Chaos ist vorprogrammiert. Vermutlich wird der kleinste gemeinsame Nenner eine Fristverlängerung gemäß Artikel 50 des EU-Vertrags sein. Dies eröffnet mehr Zeit für eine neue Austrittsvereinbarung, in der dennoch die Quadratur des Kreises gelöst werden müsste. Nachrichten aus London werden daher zur wichtigsten Wocheninformation, auch wenn das Thema keineswegs nächste Woche entschieden wird. Der harte Brexit ist aktuell zwar nicht vom Tisch, doch werden alle Anstrengungen unternommen, diesen ökonomischen GAU zu verhindern. Die sich ergebende Unsicherheit dürfte dennoch die Aktienmärkte und auch das britische Pfund negativ betreffen. Umgekehrt erfahren sichere Anlagen weiter Rückenwind.

Am Donnerstag tagt der EZB-Rat. Bedeutung hat die Sitzung durch den erwarteten Beschluss, die Nettoanleihekäufe wie schon länger angekündigt zum Jahresende einzustellen. In 2019 wird die EZB die fällig werdenden Anleihen ihres über 4,6 Billionen großen Anleihenportfolios reinvestieren. Die Liquiditätsversorgung bleibt damit immerhin gleich groß. Interessant werden Details zur Reinvestitionsstrategie und der Ausblick zu den Leitzinsen, denn aufgrund der Konjunkturdelle und Italien wurden zuletzt auch Stimmen hinsichtlich einer Verschiebung der geldpolitischen Wende laut.

Die ökonomischen Daten treten nächste Woche zwar in den Hintergrund. Von Interesse werden aber die US-Inflationsdaten sein. Hier sollte sich der moderate Preisdruck bestätigen, der auch durch den Rückgang der Energiepreise unterfüttert wird.

Der Freitag bietet einen wichtigen Einblick in den Zustand der europäischen Konjunktur. Die Einkaufsmanagerindizes sollten für Europa eine leichte Festigung zeigen und die Annahme eines Endes der Abschwächung untermauern. Auch für Asien sollte das Tankan-Industrieklima in Japan sowie die Daten zur chinesischen Industrieproduktion im November die aufgekommenen konjunkturellen Bedenken zerstreuen. Die aktuelle Diskussion über eine nahende Rezession, abgeleitet aus der inversen Zinsstrukturkurve in den USA, erscheint uns erheblich überzogen.

Anleihen
Die gestiegene Risikowahrnehmung hat die Renditen wieder auf extrem tiefe Niveaus gedrückt. Der Brexit-Komplex hält die Anleger zwar in Atem, doch sind die aktuellen Renditeniveaus in Europa extrem unattraktiv. Eine Gegenbewegung könnte rasch folgen. Auch in den USA erwarten wir dies nach dem starken Rückgang der Renditen und den übertriebenen Wachstumssorgen.

Währungen
Das britische Pfund dürfte mit den Nachrichten aus London unter Druck kommen. Allerdings erwarten die Märkte diesen Ausgang, so dass die Bewegungen im Rahmen bleiben dürften. Beim US-Dollar sehen wir nach der jüngsten Befestigung nur noch begrenzten Aufwertungsspielraum. Vorteile resultieren weitgehend aus der höheren Verzinsung.

Aktien
Technisch sind die Aktienmärkte auf den 2 Jahrestiefs angeschlagen. Ziel muss eine Stabilisierung sein. Die hohe Volatilität und der teils undifferenzierte Ausverkauf vom Donnerstag haben die Anmutung einer Kapitulation. Wir halten den Wachstumspessimismus aktuell für überzogen, was die Bewertungen der Aktienmärkte günstig erscheinen lässt.

Rohstoffe
Die OPEC versucht sich im Mengenmanagement. Noch gibt es keinen Beschluss, Konsens besteht über den Bedarf einer Förderkürzung nach einem 30%-Preisverfall in den letzten 2 Monaten, sonst droht ein weiterer Rückschlag.

Der Goldpreis verläuft weiter relativ stabil und reagiert vor allem bei Währungsverschiebungen. Mittelfristig ist die Realzinsentwicklung entscheidend.