• Mutter mit Kind auf dem Rücken ist zu sehen, beide lachen und tragen eine rote Mütze sowie Ringelshirts.

Die Mutter der finanziellen Unabhängigkeit

Wunschkind, Gender Care Gap & Teilzeitfalle: Wie Mütter trotzdem finanziell unabhängig werden und bleiben können.

Finanzen? Familiensache!

Eine Familie zu gründen, ist für viele ein Lebenstraum. Wenn er sich erfüllt, steht der Nachwuchs im Mittelpunkt: family first! Das ist gut so. Doch Achtung: Auch wenn jetzt andere Dinge im Fokus sind, solltet ihr auf eine faire Gestaltung der Finanzen in der Familie achten. Wer zuhause beim Kind bleibt und sich um den Haushalt kümmert, verliert oft die finanzielle Unabhängigkeit. Auch die Vorsorge bleibt auf der Strecke. Meistens sind es Frauen, die in diese Finanzfalle tappen. Die gute Nachricht: Werdende Eltern können einiges tun, damit es nicht dazu kommt. In diesem Text geben wir euch acht Tipps, mit denen ihr die Finanzfalle umgehen könnt.

Doch erstmal die (sehr) harten Fakten zum Wachwerden: Frauen kriegen im Schnitt nur rund 47 Prozent (!) der Rente, die Männern durchschnittlich zusteht. Das hat verschiedene Gründe. Frauen, insbesondere Mütter, arbeiten überdurchschnittlich häufig in Teilzeit und unter ihrem Qualifizierungsniveau. Und sie arbeiten überdurchschnittlich oft in zwar „systemrelevanten“, aber leider schlecht bezahlten Branchen. Vor allem aber bekommen sie für die gleiche Arbeit immer noch weniger Lohn als Männer.

Wer im ersten Jahr mit dem Baby zuhause bleibt, bekommt erstmal Elterngeld. Bis zu drei Jahre nach der Geburt gibt es außerdem Entgeltpunkte aufs Rentenkonto, die sich so auf die Rente auswirken, als hätte man in dieser Zeit ein Durchschnittsgehalt bekommen. Das Durchschnittsgehalt lag 2019 bei 39.000 Euro brutto – Verlust macht also nur, wer vorher mehr verdient hat.


So weit, so gut. Und danach?

Viele Frauen mit Kindern arbeiten jahre- oder sogar jahrzehntelang in Teilzeit. Dadurch zahlen sie über lange Zeiträume weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein – und haben dazu auch noch weniger Geld, um privat vorzusorgen.

Zwei Drittel der Frauen in Deutschland, die in Teilzeit arbeiten, sind sich sicher, dass sie später von ihrer Rente nicht leben können. Und damit liegen sie leider gar nicht so falsch. Nicht nur für die betroffene Person ist das ein Riesenproblem. Es kann auch in der Beziehung auf die Stimmung drücken. Wie also kann man diese Ungerechtigkeit in der eigenen Familie umgehen?1

1. Mit Fifty-fifty-Modell für Fairness sorgen

Ihr teilt die Arbeit zuhause und die Berufstätigkeit gleichberechtigt auf. Ob das für euch infrage kommt, solltet ihr am besten vor der Geburt des ersten Kindes klären.

So könnt ihr auch frühzeitig eure Arbeitgeber:innen oder Geschäftspartner:innen ansprechen – oder euch falls nötig überlegen, wie ihr trotz eines Unterschieds eurer Gehälter die Zeiten trotzdem fair teilen könnt.

Lachender, junger Mann steht an der Spüle und macht den Abwasch.

2. Gemeinsam gegen den Gender Pay Gap angehen

Einer der am häufigsten genannten Gründe gegen eine gerecht geteilte Elternzeit ist das Gehaltsgefälle. Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 20 Prozent weniger als Männer. Damit liegt Deutschland auf dem zweitletzten Platz in der EU, was faire Bezahlung betrifft. Selbst der sogenannte „bereinigte“ Gender Pay Gap – der strukturelle Unterschiede einfach herausrechnet und so tut, als sei Familienarbeit keine Arbeit – beträgt immer noch 6%.2

Hierbei kann und sollte man schon lange vor der Familiengründung ansetzen. Und auch Frauen, die keine Kinder bekommen wollen oder können, sollten sich dafür einsetzen, fair bezahlt zu werden.

Was ihr tun könnt, wenn ihr das Gefühl habt, zu wenig Geld zu bekommen:

  • vom Entgelttransparenzgesetz, also dem Recht auf Lohn-Auskunft, Gebrauch machen
  • euch in Gehaltsverhandlungen für euch stark machen, klare Forderungen stellen und hartnäckig bleiben
  • erfolgreiche Projekte und herausragende Arbeiten dokumentieren und diese ins Gespräch mitbringen
  • falsche Bescheidenheit ablegen und Erfolge ruhig auch mal zwischendurch selbstbewusst thematisieren
  • im Zweifelsfall neuen Arbeitgeber suchen und den Jobwechsel nutzen, um ein höheres Gehalt zu verhandeln

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Und wenn ihr als Mann mitbekommt, dass weibliche Personen in ähnlichen Positionen bei gleicher Qualifikation geringer entlohnt werden: Fragt, wie ihr sie unterstützen könnt. Der Gender Pay Gap ist so hartnäckig, dass man(n) seine Bekämpfung auf keinen Fall allein den Frauen überlassen sollte.

Am Ende profitiert ihr selbst von einer Veränderung der Verhältnisse. Zum Beispiel, wenn der Druck, die Familie zu versorgen, nicht mehr zu einem Großteil auf euren Schultern lastet.

Frau sitzt in Küche vor ihrem Laptop. Ihre Tochter hängt an ihrem Arm, sie lächeln sich an.

3. Veraltete Rollenklischees zusammen überwinden

Oft müssen auf dem Weg zum fairen Familienmodell auch in der eigenen Einstellung Vorurteile und Blockaden aufgelöst werden. Kein Wunder, schließlich seid ihr mit bestimmten Rollenbildern und -erwartungen aufgewachsen, von denen sich manche nur schwer abschütteln lassen.

Auch deshalb ist es gut, wenn ihr so früh und so viel wie möglich über die gemeinsame Lebensplanung redet und zusammen reflektiert. Traut euch gegenseitig etwas zu – und lasst euch von niemand anderem erzählen, was ihr könnt oder nicht könnt. Denn nur weil wir etwas „schon immer so gemacht haben“, ist es noch lange nicht gut.

4. Care-Arbeit entlohnen

Möchte eine:r von euch – natürlich im Einverständnis mit der anderen Person – mehr Zeit zu Hause mit Kind verbringen? Oder lässt eure finanzielle Situation es auch mit viel gutem Willen und Kreativität nicht zu, dass ihr die Elternzeit gerecht verteilt? Dann ist es nur fair, wenn die oder der Besserverdienende der zu Hause arbeitenden Person einen „Lohn“ dafür auszahlt, der in die Altersvorsorge gesteckt werden kann.

Seid euch allerdings im Klaren darüber, dass eine Rückkehr in den Beruf meist eher schwieriger wird, je länger die Babypause dauert.

Die Ausgleichszahlung für eure Familienarbeit könnt ihr zum Beispiel in folgende Arten der Altersvorsorge investieren:

# Als Beitrag zur staatlich geförderten Riester-Rente

# Für Freiberufler:innen und Selbstständige: In eine Rürup-Rente

# Zur privaten Vorsorge mit ETF- oder Fonds-Sparplänen oder anderen Wertpapier-Angeboten

# Zum Aufstocken von vermögenswirksamen Leistungen im Rahmen eines VL-Sparplans

Am besten findet ihr zunächst heraus, wie viel Rente ihr aktuell bekommen würdet und wie groß eure Rentenlücke ist. Dann atmet ihr ein paar Mal tief durch. Anschließend lasst ihr euch beraten, welcher der für euch geeignete Vorsorge-Mix sein könnte. Weiter unten könnt ihr direkt einen Termin zur Beratung vereinbaren.

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Was ihr nie, also wirklich nie tun solltet: Euch auf eine:n „Versorger:in“ verlassen. Zwar ist jedem zu wünschen, dass die Liebe hält, bis der Tod sie scheidet. Aber wer denkt: „Wir bleiben eh für immer zusammen”, der sollte einen Blick in die Statistiken werfen. Gut sehen die nicht aus.

Nach einer Trennung verlieren besonders Frauen, die ihren Job für die Familie aufgegeben haben, ihre finanzielle Basis. Auch deshalb droht so vielen Frauen die Altersarmut. Sorgt also dafür, dass ihr in jeder Lebenssituation finanziell auf eigenen Füßen steht!

5. Ausgaben gerechter verteilen

Da ihr in der Familie selbst darüber entscheidet, wie ihr mit Geld und Gehalt umgeht, könnt ihr als Paar eure eigene kleine Utopie leben – und „umverteilen“. Gemeinsame Ausgaben und alle Ausgaben fürs Kind könnt ihr etwa prozentual so aufteilen, wie sich auch euer Verdienst zueinander verhält.

Dabei lohnt es sich darauf zu achten, dass keine unerwünschte Machtdynamik entsteht. Und ihr es als das seht, was es ist: ein Instrument für mehr Gerechtigkeit. Sprecht ruhig öfter darüber, wie sich das für euch anfühlt.

6. Mental Load als Teil des Workloads behandeln

Wenn es um die Aufteilung von Aufgaben im Haushalt und mit Kindern geht, hört man immer häufiger den Begriff „Mental Load“.3 Er bezeichnet das vor allem in Heterobeziehungen weit verbreitete Muster, dass die Frau nicht nur mehr Aufgaben in Haushalt, Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen übernimmt, sondern diese Bereiche auch komplett plant und koordiniert.

Sie ist also ausführende Kraft und Projektmanagerin in einem – und hat stets im Hinterkopf, was als nächstes zu tun ist. Und der Mann? „Hilft“, wenn sie ihn darum bittet.

Der Mental Load ist meist unsichtbar und nicht zu unterschätzen: Er frisst zusätzlich zur sichtbare(re)n Mehrfachbelastung Zeit und Energie, die anderswo fehlt – zum Beispiel, wenn es um das berufliche Fortkommen oder die Organisation der eigenen Altersvorsorge geht. Nicht selten führt die Überlastung durch den Mental Load zudem zu Burn-out-ähnlichen Symptomen.

Hier und hier könnt ihr mit einem Test – und etwas Humor – herausfinden, ob ihr in eurer Beziehung davon betroffen seid und etwas ändern solltet. Spoiler: Wenn euch der Satz „Du hättest doch nur was sagen müssen“ bekannt vorkommt, ist der Test auf jeden Fall was für euch.

7. Zuhören, nachfragen, wertschätzen

Was für den Mental Load gilt, trifft häufig auch auf das Muttersein und die damit verbundenen Mühen zu: Es bleibt unsichtbar oder wird als Selbstverständlichkeit behandelt. Zwar hat dies keine direkten Auswirkungen auf die finanzielle Situation von Müttern – aber am Ende hängt es eben doch alles zusammen.

Klar entscheiden sich die allermeisten Mütter selbst dazu, ein Kind zu bekommen. Das bedeutet aber nicht, dass alles, was nun kommt, allein ihr Problem ist.

Kinder sind ein Wunder – und sie groß zu kriegen ist auch eins. Alle, die das schaffen, sollten so oft es geht Applaus dafür bekommen. Und so viel Unterstützung wie nur möglich! Falls ihr selbst keine Kinder habt, fragt also lieber einmal öfter nach, wie es den Müttern/Vätern in eurem Leben geht und was sie brauchen.

8. Überblick verschaffen und Finanzberatung nutzen

Neben offenen Ohren, Zusammenhalt und einer fairen Aufgaben- und Ausgabenverteilung kann auch ein Beratungsgespräch zum Thema Finanzen ein Teil dieser Unterstützung sein. Um gut vorbereitet in ein solches Gespräch zu gehen, solltet ihr vorab euren finanziellen Status klären. Wie das geht? Erfahrt ihr hier!

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