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Der aktuelle Ausblick auf die Märkte – 12.07.2019

Zinssenkungserwartungen bleiben treibender Faktor

  • Wird von der Leyen neue EU-Kommissionpräsidentin?
  • US-Konjunkturdaten deuten auf mäßiges Wachstum hin
  • BIP-Daten aus China mit wenig Aussage

Die Nominierung von Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionpräsidentin durch die europäischen Staats- und Regierungschefs soll durch die Parlamentsabstimmung am Dienstagabend bestätigt werden. Allerdings ist es nicht sicher, dass sie auch gewählt wird. Sie braucht 374 Stimmen der 747 Mitglieder des Parlaments. Die konservative EVP kommt auf 182 Stimmen. Während die Liberalen für von der Leyen stimmen wollen, haben die Grünen und Linken erklärt, nicht für sie zu stimmen. Zudem wollen auch Teile der deutschen Sozialdemokraten ihre Stimme verweigern. Wir gehen von einer Zustimmung für Frau von der Leyen aus. Damit hätte sie eine starke Position. Sie vertritt die EU-Kommission vor dem europäischen Parlament, beim EU-Rat, bei den G7- und G20-Gipfeltreffen sowie bei bilateralen Gipfeln mit Nicht-EU-Ländern. Eine besondere Herausforderung wird dabei der Umgang mit dem US-Präsidenten Donald Trump sein. Auch innerhalb der EU könnte sie das deutsch-französische Verhältnis wieder stärken. Außerdem wird erwartet, dass sie die Austeritätspolitik etwas lockerer handhaben könnte, was z.B. Italien zugutekäme. Der Posten ist also für die Kapitalmärkte und den Euro wichtig.

Nächste Woche stehen auch einige wegweisende Konjunkturindikatoren aus den USA zur Meldung an. Im Fokus stehen die US-Einzelhandelsumsätze, die im Juni nur einen geringen Zuwachs gehabt haben dürften. Dämpfend hat dabei wohl vor allem der deutliche Rückgang der Benzinpreise gewirkt, der die nominalen Tankstellenumsätze gedrückt haben dürfte. Auch die US-Industrieproduktion dürfte im Juni nur mäßig gestiegen sein, da die Versorger aufgrund der nicht so heißen Temperaturen die Produktion deutlich heruntergefahren haben. Der Wohnungsbau dürfte im ersten Quartal erstmals seit dem 4. Quartal 2017 ein leichtes Plus verzeichnet und einen Wachstumsbeitrag geliefert haben. Insgesamt deuten die US-Daten darauf hin, dass sich das Wachstumstempo in den USA im 2. Quartal von 3 % auf 1,5 % (Q/Q annualisiert) verlangsamt haben dürfte.

Nächste Woche wird in China das Wirtschaftswachstum für das 2. Quartal bekanntgegeben. Nach 6,4 % J/J rechnen wir mit einem leichten Rückgang auf 6,2 % J/J. Die monatlichen chinesischen Daten deuten jedoch darauf hin, dass sich die chinesische Wirtschaft in einem deutlich schlechteren Zustand befindet. Die Daten müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Die staatlichen konjunkturellen Stützungsmaßnahmen - Geld- und Fiskalpolitik - zeigen bislang kaum Wirkung.

Anleihen
Die Rentenmärkte dürften weiterhin von den Zinssenkungserwartungen für die Fed (Sitzung am 31. Juli) und EZB (Sitzung am 25. Juli) unterstützt bleiben. Für die Fed wird eine Zinssenkung um mehr als 25 Bp. erwartet. Da kommt es darauf an, dass die Fed die Zinssenkungsfantasie aufrechterhält. Für die EZB ist dagegen eine Zinssenkung im Juli nur zu 30 % eingepreist, die Mehrheit erwartet eine Lockerung erst im September.

Währungen
Wir rechnen damit, dass die Fed-Zinssenkungen kräftiger ausfallen als die EZB-Zinssenkungen. Dies dürfte beim US-Dollar zu Buche schlagen; er dürfte sich in der Breite und damit auch gegenüber dem Euro allmählich abschwächen. Dafür spricht auch die Wachstumsabkühlung in den USA. In dem unsicheren globalen Umfeld bleiben weiterhin der Schweizer Franken und der Yen als Sicherheit gefragt.

Aktien
Die Hoffnung auf Zinsimpulse stützt die Aktienmärkte weiter, auch wenn die Marktdynamik außerhalb der USA zu wünschen lässt. Dazu trägt das eingetrübte fundamentale Umfeld bei, das sich gerade in Europa in einer Reihe von Gewinnwarnungen äußerte. Insofern gerät die jetzt startende Berichtssaison – nächste Woche geben u.a. einige US-Großbanken, IBM, Ebay, Johnson & Johnson sowie SAP Einblick in Q2 – zum Lackmustest für den weiteren Trend.

Rohstoffe
Der Öl- und Goldpreis dürfte den Aufwärtstrend fortsetzen. Die Spannungen am Persischen Golf und Nachrichten über ein knapper werdendes Angebot sollten den Ölpreis weiter nach oben treiben. Bei Gold bleibt das Investoreninteresse wegen der Zinssenkungsabsichten der Fed hoch.