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Der aktuelle Ausblick auf die Märkte – 24.05.2019

Handelskonflikte und Brexit auf der Tagesordnung

  • Handelskonflikte dürften sich länger hinziehen
  • Ergebnis der Europawahl im Fokus
  • Nachfolgersuche für Theresa May nach Rücktritt

Die Handelskonflikte, vor allem zwischen den USA und China, bleiben Thema an den Finanzmärkten. So sieht US-Präsident Trump nur noch „gute Möglichkeiten“ für eine Einigung mit China. Gleichzeitig ist vom US-Landwirtschaftsministerium zu hören, dass erste Hilfszahlungen für vom Handelskrieg geschädigte Bauern ausbezahlt werden. Dies zeigt, dass mit einer baldigen Beilegung des Handelskrieges wahrscheinlich auch nicht auf dem G20-Gipfel Ende Juni zu rechnen ist. Im Handelskonflikt sorgt außerdem das Vorgehen der USA gegen Technologiefirmen für Nervosität. Die USA erwägen neben dem Vorgehen gegen Huawei auch Sanktionen gegen die chinesische Video-Überwachungsfirma Hikvision. Außerdem hat die US-Regierung vorgeschlagen, Zölle auf Importe zu erheben, deren Landeswährung unterbewertet ist. Die Handelskonflikte schweben wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten.

Im Fokus stehen nächste Woche auch die Ergebnisse der Europa-Wahlen, bei denen 427 Mio. Bürger zur Wahl aufgerufen sind. Prognostiziert wird für den Wahlausgang, dass die rechtspopulistischen Parteien rund 25% der Stimmen und die linkspopulistischen Parteien rund 10% der Stimmen erhalten. In den Niederlanden, wo bereits am Donnerstag gewählt wurde, schnitten wohl die rechtspopulistischen Kräfte schwächer ab. Erzielt die italienische Lega mehr als 30%, dürfte sich Matteo Salvini in seinem Kurs der Schuldenerhöhung bestätigt sehen. Mit einem deutlichen Sieg der Mitte-rechts Parteien könnte Manfred Weber EU-Kommissionpräsident werden und damit der Franzose Francois Villeroy Galhau EZB-Präsident. Wird kein deutscher Politiker EU-Kommissionspräsident, hätte der Finne Oli Rehn oder Bundesbankpräsident Jens Weidmann Chancen, Nachfolger von Mario Draghi zu werden.

Nachdem die britische Premierministerin Theresa May heute ihren Rücktritt als Parteichefin für den 7. Juni angekündigt hat, sind ihre Tage als Premierministerin auch gezählt. Das Feld der potentiellen Nachfolger ist groß. Als Favorit wird Brexitier Boris Johnson gehandelt. Mit dem Brexit-Hardliner Johnson erscheint eine Einigung mit Brüssel schwer zu erreichen. Unklar ist überhaupt, ob er eine Mehrheit im Parlament zustande bringt.

Anleihen
Das Marktumfeld spricht weiterhin für niedrige Renditen. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen wieder nachhaltig über die 0%-Marke steigen wird. Die Zinssenkungsspekulationen für die Fed und EZB scheinen trotzdem übertrieben. Eine erneute Spread-ausweitung in Italien in den nächsten Wochen ist gut möglich. Davon würden Bundesanleihen profitieren.

Währungen
Da sich die politische Lage in Großbritannien zuspitzt und Theresa May ihren Rücktritt für den 7. Juni erklärt hat, dürfte das britische Pfund unter Druck kommen, da der darauffolgende Machtkampf das Pfund belasten dürfte. Zudem ist das Risiko ist groß, dass der Nachfolger Mays einen harten Brexit in Kauf nimmt. Der US-Dollar könnte durch den schwelenden Handelskrieg profitieren. Jedoch könnten der Greenback durch weitere Zinssenkungsspekulationen auch belastet werden.

Aktien
Die zuletzt überwiegend schwachen Wirtschaftsdaten, der eskalierende Handelskrieg und das scheinbar ausweglose Brexit-Labyrinth belasten weiter die Stimmung an den Aktienmärkten. Gemessen daran fiel die Korrektur bisher milde aus. Rechte Erholungsstimmung dürfte dabei aber auch nicht aufkommen, auch wenn die Bewertungen weiter als moderat (Europa) bis neutral (USA) einzustufen sind.

Rohstoffe
Hohe Lagerbestände in den USA und Befürchtungen einer sinkenden Nachfrage haben die Ölpreise stark unter Druck gebracht. Nach der amerikanischen Energiebehörde (EIA) sind die Erdölreserven der USA in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit 2017 gestiegen. Eine Erholung der Ölpreise dürfte jedoch anstehen, denn Saudi-Arabien hat seine Förderung deutlich zurückgefahren und die Produktion aus dem Iran und Venezuela fällt weitgehend aus.