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Kommt der Durchbruch im Handelskonflikt?

  • Märkte warten auf Fortschritte bei Handelsgesprächen
  • Einkaufsmanagerindizes für Europa im Fokus
  • Rede der neuen EZB-Chefin Lagarde in Frankfurt

Vergangene Woche sind wieder Zweifel an einem erfolgreichen Teilabkommen im Handelskonflikt zwischen den USA und China aufgekommen. US-Präsident Trump drohte sogar mit einer Erhöhung der Zölle, sollte ein Abkommen nicht zustande kommen. Außerdem wurde noch keine Entscheidung bezüglich der Einführung von Autozöllen für Europa getroffen. Es wurde nur signalisiert, dass die Entscheidung um ein halbes Jahr verschoben werden soll. Die Unsicherheit über die Zölle belastete die Stimmung an den Märkten. Die wieder aufgekommenen globalen Konjunktursorgen verstärken die Neigung der Anleger zu sicheren Anlagen. Dies bedeutet tendenziell eine Schwäche an den Aktienmärkten, die Fortsetzung des Renditerückgangs, Spreadausweitungen bei Euro-Staatsanleihen und einen stärkeren US-Dollar. Sollten in den nächsten Tagen keine Fortschritte in den Handelsgesprächen vermeldet werden, dürfte die Flucht in sichere Häfen anhalten.

Die wieder aufgekommenen Konjunktursorgen lenken den Fokus vor allem auf die Frühindikatoren, die nächste Woche zur Meldung anstehen. Am meisten Beachtung finden dabei die Einkaufsmanagerindizes für Europa nächsten Freitag. Im Euroraum hat der Dienstleistungssektor bislang verhindert, dass die Wirtschaft in eine Rezession abgleitet. Der Dienstleistungsindex hat zwar auch nachgegeben, scheint sich aber zu stabilisieren. Wir erwarten einen leichten Anstieg von 51,6 auf 52,5 Punkte. Dies würde die Erwartung unterstützen, dass die Talfahrt in der Industrie zwar auch beim Dienstleistungssektor Bremsspuren hinterlässt, der Sektor aber, wenn auch unterdurchschnittlich, wächst. Beim verarbeitenden Gewerbe ist eine Erholung noch nicht in Sicht. Der Index ist zwar nicht weiter gesunken, dürfte aber auf niedrigem Niveau verharren. In Deutschland ist er zuletzt auf 42 Punkte gesunken, also auf ein Rezessionsniveau.
Die weltweite Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen ist unverändert schwach und gibt wenig Hoffnung auf eine schnelle Trendwende. Vor allem aus China kommen weiterhin schwache Konjunkturdaten. Für Erleichterung sorgt allenfalls, dass ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU so gut wie vom Tisch ist.

Mit Spannung erwartet wird am Freitag eine Rede der neuen EZB-Chefin Lagarde. Viel Neues ist kaum zu erwarten. Im Frühjahr könnte die EZB noch einmal die Geldpolitik lockern. Der EZB-Rat ist über die aktuelle Politik allerdings weiterhin sehr gespalten.

Anleihen
Es kommt darauf an, wie sich die Handelsgespräche weiter entwickeln. Sollten Erfolge gemeldet werden, ist eine schnelle Gegenbewegung nach dem Renditerückgang wahrscheinlich. Zunächst dürfte der schwindende Risikoappetit aber erstklassige Staatsanleihen stützen und sich die Spreads von Euro-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen ggü. Bundesanleihen eher ausweiten.

Währungen
Die allgemeine US-Dollarstärke dürfte anhalten, solange die Wachstumssorgen wieder überwiegen. Erst ein Stimmungsumschwung dürfte den Greenback nennenswert belasten. Der US-Dollar gilt als sicherer Hafen. Auch der Schweizer Franken und Yen profitieren vom augenblicklichen Umfeld. Das Pfund dürfte weiter zur Stärke neigen.

Aktien
Die Aussichten für ein erfolgreiches Teilabkommen zwischen den USA und China dürften einer der wichtigsten Treiber für die Aktienmärkte bleiben. Immerhin hat sich die fundamentale Lage durch eine Stabilisierung einiger Frühindikatoren und auf Unternehmensebene mit einer in Summe positiv überraschenden Berichtssaison aufgehellt. Dies ist angesichts der Rekordstände der amerikanischen Indizes auch erforderlich, um das Kursniveau zu rechtfertigen. Weitere Avancen setzen nun eine klare Besserung der Frühindikatoren voraus.

Rohstoffe
Der Ölmarkt dürfte angesichts der anstehenden Entscheidung über das aktuelle Förderabkommen auf dem OPEC-Treffen in Wien am 5./6. Dezember in einer engen Bandbreite verharren. Kommt es nur zu einer Verlängerung, drohen ein Angebotsüberschuss und Preiseinbruch. Am Kupfermarkt bleibt die Situation in Chile im Blickpunkt.