Ponto Performance Preis 2017 Ponto Performance Preis 2017

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Den Ponto Performance Preis 2017 erhalten Hanke Wilsmann und Jost von Harleßem, die seit 2011 unter dem Namen F. Wiesel gemeinsame Theaterarbeiten entwickeln. Beide wurden 1987 geboren und studierten Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.
Foto: F. WieseSeitdem arbeiten sie freischaffend in den Bereichen Licht- und Videodesign, Bühnenbild und Fotografie. Als erste gemeinsame Arbeit entstand 2011 das Figurentheaterstück Clarenville, das in den folgenden Jahren in Frankfurt, Mannheim und Gießen gezeigt wurde. 2015 entstand für eine Vortragsreihe in Zürich die Figur Karl der Große sowie in Kooperation mit dem Festival Wunder der Prärie in Mannheim die performative Installation Zakopane. 2017/18 entwickeln sie im Rahmen des Fleetstreet Resident Programs in Hamburg die Performance SUPERQUADRA.

F. Wiesel baut fiktionale Räume, um durch diese Geschichten zu erzählen und Realität zu betrachten. Besucher werden in diese Settings eingeladen. Wiederkehrende Themenfelder sind Science-Fiction, dessen Beschäftigung mit alternativen Kosmen und Gesellschaftsanordnungen, sowie daraus entstehende wissenschaftstheoretische Fragestellungen. Die Arbeiten von F. Wiesel sind generationenübergreifend rezipierbar.

Jurybegründung

Der Ponto Performance Preis 2017 geht an das Kollektiv F. Wiesel - Hanke Wilsmann und Jost von Harleßem. F. Wiesel hat sich der Erforschung des Zusammenwirkens aller technischen Komponenten des Theaterapparats verschrieben. Ob die Produktions- und Wirkungsmechanismen des Stumm- und Genrefilms (Clarenville, 2011), die verstörenden Science-Fiktion-Szenarien von Stanislaw Lem (Zakopane, 2015) oder, aktuell, die Universalansprüche visionärer Architektur (Superquadra, 2017): F. Wiesel erschafft komplexe Modellräume und -welten, um sie Dank eines unerhört spielerischen Zugriffs auf traditionelle und neue Theatertechnologien und Inszenierungstechniken multipel miteinander zu verschachteln und zu verschränken. Im Fokus des künstlerischen Interesses stehen dabei die mal sublimen, mal spektakulären, in jedem Fall dynamischen Missverhältnisse in Deutungs- und Wirkungsbeziehung von Modell und Bezugsrahmen. Durch den effektvollen Einsatz von Klang, Licht und Video unterzieht F. Wiesel seine Vorlagen und deren ästhetische Kontexte einer Verdichtung, in der ihre utopischen wie dystopischen Dimensionen humorvoll dekonstruiert und zugleich auf unheimliche und beunruhigende Weise neu in Szene gesetzt werden. Zudem verleiht die akribische Sorgfalt im Umgang mit narrativen und konstruktiven Detail den Arbeiten eine besondere Tiefenschärfe. So entstehen atmosphärisch dichte Performances, die ihr Publikum zusehends in ihr verführerisches Eigenleben zu verstricken verstehen. F. Wiesel sucht dabei gezielt den Widerspruch von Transparenz und Befangenheit, indem Erzählweisen, Konstruktionsprinzipien und letztlich auch die Gesamtkonzeptionen der Inszenierungen nicht aus der machtvollen Perspektive des Überblicks erkennbar sondern über vielschichtige Innenansichten und außergewöhnliche Formen von Teilhabe erfahrbar werden.

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