Ponto Performance Preis 2016 Ponto Performance Preis 2016

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Den Ponto Performance Preis 2016 erhielt die Gruppe FUX, bestehend aus Stephan Dorn, Falk Rößler und Nele Stuhler. 2011 im Rahmen des Studiums der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen formiert, sucht FUX nach neuen theatralen Formen und nutzt dafür bereits bestehende Bühnenformate, um sie zu etwas Eigenem umzuwandeln.
Foto: Annika Pinske In dieser Beobachtung zweiter Ordnung entstehen andere performative Räume, die sie mit großer Spiel- und Experimentierfreude erkunden. Dabei verweben sie Elemente aus Performance, (Live-)Musik, Sprechtheater, Kleinkunst und Choreographie zu gleichsam komplexen wie unterhaltsamen Theaterbastarden. Aus verschiedenen Regionen und Kontexten stammend, verbindet sie das gemeinsame Interesse an Musik, an nicht-narrativen Dramaturgien, an Humor und Form, an Uneindeutigkeiten und Plattitüden, an Zweifel und Übermut. Anstatt bestimmte Mittel und Möglichkeiten des Theaters zu verwerfen, geht es der Gruppe um einen sowohl spielerischen als auch kritischen Umgang mit ihnen. Ein Theater nach dem Theater, das sich nicht in öder Diskursivierung selbst abschafft, aber ebenso wenig sein Heil in der Reaktivierung des Konventionellen sucht. Ein Theater, das nicht in bestehenden Kategorien aufgeht und zu dem man sich verhalten muss.

Jurybegründung

Der Ponto-Preis für Performance Art 2016 geht an das Kollektiv FUX Stefan Dorn, Falk Rößler und Nele Stuhler. Die Jury zeichnet damit eine Gruppierung aus, die aus ihrem gemeinsamen Studium am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft heraus eine konsistente ästhetische Praxis entwickelt hat, die sich als ebenso lustvolle wie raffinierte Strategie der freundlichen Übernahme beschreiben ließe. Sei es die performative Auseinandersetzung mit dem piefig-deutschen Kabarett- und Kleinkunsttheater in "Die kleine Freiheit", die dekonstruktive Untersuchung von Oper und Musiktheater in "Opa übt" oder die Transformation von Samuel Becketts 90-Sekünder "Atem" in das abendfüllende Bühnenwerk "Langer Atem", das die gesamte Gießener Stadttheaterapparatur in Atem hält – keine szenische Form ist zu klein, zu groß oder zu abwegig, um nicht von FUX gekapert und zum Ausgangspunkt für ihre feinsinnigen Analysen auserkoren zu werden.

FUX bedienen sich am reichhaltigen Repertoire theatraler Darstellungsweisen und eignen es sich auf bewusste, offensiv dilettantische Weise an: Das Fremde, Entfremdete, Andere wird in einer Haltung, die sich als professionalisierter Amateurgeist bezeichnen ließe, persönlich nachvollzogen, ohne dabei jemals als solches diskreditiert zu werden. Dabei arbeiten sich FUX immer wieder auch an den Möglichkeiten und Grenzen der – hergebrachten wie zeitgenössischen – Theaterinstitutionen ab, indem sie sie zu etwas verführen, was sich ihnen eigentlich sperrt. Dieser hoch intelligente Ansatz wird begleitet durch einen entschiedenen Willen zur Unterhaltung und eine Spielfreude, die die Gruppe bislang landauf, landab gleichermaßen zu den kleinsten Tourneebühnen der Republik wie zu den Münchner Kammerspielen geführt hat.

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