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06. August 2009

Commerzbank: Q2 2009 schließt mit operativem Ergebnis von minus 201 Mio Euro

  • Bruttoerträge steigen um 31% auf 3,1 Mrd Euro, nach 2,3 Mrd Euro in Q1
  • Bilanzsumme gegenüber Ende 2008 minus 13%, risikogewichtete Aktiva minus 12%
  • Kredite an deutsche Unternehmen auf Rekordniveau
  • Steueraufwand belastet das zweite Quartal mit 276 Mio Euro
  • Kernkapitalquote (Tier 1) bei 11,3%, nach 10,2% (pro forma) per Ende März
  • SoFFin-Garantien in Höhe von 5 Mrd Euro werden vorzeitig zurückgegeben
  • Blessing: "2009 bleibt ein herausforderndes Jahr, aber wir sind auf dem richtigen Weg"


Die Commerzbank hat das zweite Quartal 2009 mit einem operativen Ergebnis von minus 201 Millionen Euro abgeschlossen (Q1 2009: minus 591 Millionen Euro). Die deutliche Verbesserung um 390 Millionen Euro ist insbesondere auf niedrigere Belastungen aus strukturierten Kreditprodukten, das so genannte ABS-Portfolio, zurückzuführen. Gleichzeitig erzielten die Kernsegmente Privatkunden und Mittelstandsbank trotz anhaltend schwieriger Marktbedingungen erneut ein positives operatives Ergebnis (zusammen 206 Millionen Euro). Das Investmentbanking (Corporates & Markets) profitierte im Zuge der Integration der Dresdner Bank von zusätzlichen Mandaten im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Das Segment verbesserte sich in Q2 beim operativen Ergebnis um 913 Millionen Euro auf minus 231 Millionen Euro.

"2009 bleibt ein herausforderndes Jahr, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Wir setzen die "Roadmap 2012" weiter konsequent um, und auch bei der Dresdner Bank-Integration liegen wir voll im Plan", sagte Martin Blessing, Vorsitzender des Vorstands der Commerzbank. "Es ist uns in den vergangenen Monaten gelungen, Risiken und Bilanzsumme deutlich zu reduzieren. Dennoch stehen wir dem deutschen Mittelstand weiterhin mit Krediten voll zur Seite. So liegt etwa unser an deutsche Unternehmen ausgereichtes Kreditvolumen bei der Rekordsumme von 134 Milliarden Euro. Wir gehen aber davon aus, dass die Kreditnachfrage im zweiten Halbjahr konjunkturell bedingt sinken wird."

In Q2 fielen für die Dresdner Bank-Integration 216 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand an. Die Goodwill-Abschreibungen lagen bei 70 Millionen Euro. Bei einem Ertragsteueraufwand von insgesamt 276 Millionen Euro ergab sich das Nach-Steuer-Ergebnis mit minus 763 Millionen Euro (in Q1: minus 888 Millionen Euro). Die Zahlen des Jahres 2009 sind auf Grund der Dresdner Bank-Übernahme nicht direkt mit den Angaben für 2008 vergleichbar. Vorjahreswerte beziehen sich deshalb auf Pro-Forma-Zahlen der neuen Commerzbank. Um einen Quartalsvergleich zu ermöglichen, bilden die Segmentzahlen für Q1 2009 auch die ersten Januartage ab, in denen die Dresdner Bank noch nicht zur Commerzbank gehörte; Gruppenzahlen beziehen sich auf die Zeit nach der Übernahme der Dresdner Bank.


Risikovorsorge für 2009 unverändert auf Vorjahresniveau erwartet

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft lag in Q2 bei 993 Millionen Euro, nach 844 Millionen Euro für Januar bis März 2009. Für das Gesamtjahr geht die Commerzbank unverändert von einer Risikovorsorge auf Vorjahresniveau aus. Durch die im Rahmen der "Roadmap 2012" ergriffenen Maßnahmen verringerte sich die Bilanzsumme gegenüber Ende 2008 deutlich um 13% auf 912 Milliarden Euro. Die Erfolge bei der Risikoreduzierung zeigen sich auch in dem Rückgang der risikogewichteten Aktiva (RWA) um 41 Milliarden Euro auf 297 Milliarden Euro.

Die Kundeneinlagen betrugen per Ende Juni 202 Milliarden Euro. Ihren Refinanzierungsbedarf für 2009 in Höhe von 20 Milliarden Euro hat die Commerzbank bereits im ersten Halbjahr voll gedeckt. Garantien des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) in Höhe von 5 Milliarden Euro können vor diesem Hintergrund vorzeitig zurückgegeben werden. Die Kernkapitalquote (Tier 1) lag zur Jahresmitte bei 11,3%, nach 10,2% (pro forma) zum 31. März 2009. Die Neubewertungsrücklage reduzierte sich zum 30. Juni auf minus 2,5 Milliarden Euro. Dem gegenüber stehen positive stille Reserven (Fair Value) aus Forderungen und Verbindlichkeiten in Höhe von 6,9 Milliarden Euro vor Steuern.


Bruttoerträge liegen um 31% über den Q1-Werten

Der Zinsüberschuss stieg in den Monaten April bis Juni 2009 gegenüber dem Vorquartal um 9% auf gut 1,8 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund marktbedingt schwächerer Kundenaktivitäten war der Provisionsüberschuss niedriger als im Vorjahresquartal. Er lag aber mit 947 Millionen Euro um 11% über dem ersten Quartal 2009 (850 Millionen Euro). Auf Grund von Sonderposten (darunter Zuführungen zum Einlagensicherungsfonds und Pensionssicherungsverein) stieg der Verwaltungsaufwand um 9% auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung des Verwaltungsaufwands der Dresdner Bank während der ersten Januartage und der Integrationskosten ist die Kostenbasis um fast 6% gesunken.

Beim Handelsergebnis standen der positiven Entwicklung im Anleihegeschäft gesunkene Erträge aus dem Kundengeschäft im Bereich Aktienderivate gegenüber. Die Bank erzielte im zweiten Quartal ein positives Handelsergebnis (93 Millionen Euro nach minus 523 Millionen Euro in Q1). Beim Ergebnis aus Finanzanlagen, das mit 172 Millionen Euro um 214 Millionen Euro unter dem Vorquartal lag, standen Erträgen aus dem Verkauf von Industriebeteiligungen (Linde, Lufthansa, ThyssenKrupp) weitere Abschreibungen auf strukturierte Kreditprodukte (ABS/RMBS-Portfolio) gegenüber.


Anhaltendes Kundenwachstum in den Kernsegmenten

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage hat sich in den Kernsegmenten Privatkunden, Mittelstandsbank sowie Mittel- und Osteuropa (CEE) das Kundenwachstum im zweiten Quartal 2009 fortgesetzt. Die Zahl der Privatkunden in Deutschland stieg um 73.000. Die Mittelstandsbank konnte wie geplant vor allem im Bereich der Unternehmen bis 7,5 Millionen Euro Jahresumsatz zusätzliche Kundenbeziehungen erschließen. In Mittel- und Osteuropa gewann die BRE Bank rund 93.000 und die Bank Forum rund 29.000 private Kunden dazu. Insgesamt betreut die Commerzbank damit knapp 15 Millionen Privatkunden. Die Segmente Privatkunden und Mittelstandsbank schlossen das Quartal mit einem positiven operativen Ergebnis ab (50 Millionen Euro beziehungsweise 156 Millionen Euro). Ausschlaggebend hierfür waren die weiterhin strikte Kostenkontrolle und der Zinsüberschuss, der im Privatkundengeschäft 605 Millionen Euro (Q1: 595 Millionen Euro) und in der Mittelstandsbank 542 Millionen Euro (Q1: 547 Millionen Euro) erreichte.

Der Provisionsüberschuss erhöhte sich im Privatkundensegment um 30 Millionen Euro auf 534 Millionen Euro. In der Mittelstandsbank ging er infolge der gesunkenen Zahl von Kundentransaktionen auf 210 Millionen Euro, das heißt um 27 Millionen Euro im Vergleich zu Q1 zurück. Die Risikovorsorge im Privatkundensegment stieg auf 96 Millionen Euro nach 65 Millionen Euro in Q1 2009. In der Mittelstandsbank erhöhte sie sich marktbedingt stärker und stieg von 90 Millionen Euro in Q1 auf 219 Millionen Euro in Q2. Im Segment CEE zeigten sich in den Monaten April bis Juni 2009 die Auswirkungen des schwierigen Marktumfelds in Mittel- und Osteuropa. Insgesamt konnten im 2. Quartal stabile operative Erträge in Höhe von 235 Millionen Euro erwirtschaftet werden (nach 230 Millionen Euro in Q1). Die gestiegene Risikovorsorge (202 Millionen Euro nach 173 Millionen Euro in Q1) führte jedoch zu einem operativen Ergebnis von minus 83 Millionen Euro.


Erfolge durch Dresdner Bank-Übernahme, CRE-Restrukturierung angelaufen

Im Segment Corporates & Markets (inklusive Public Finance) gelang in Q2 eine deutliche Trendwende. Die Dresdner Bank-Übernahme hat die Position der Commerzbank in verschiedenen Bereichen, darunter Corporate Finance, weiter gestärkt. Hier und im Renten- und Devisengeschäft wurde der Marktanteil deutlich ausgebaut. Das operative Ergebnis verbesserte sich dementsprechend im Vergleich zum ersten Quartal 2009 um 913 Millionen Euro auf minus 231 Millionen Euro. Die Abschreibungen auf das ABS-Portfolio verringerten sich im Quartalsvergleich deutlich um 952 Millionen Euro auf 173 Millionen Euro. Die Risikovorsorge sank um 176 Millionen Euro auf 151 Millionen Euro. Hier zeigen sich bereits erste Erfolge der Bündelung nicht strategischer Bestände in der Portfolio Restructuring Unit (PRU). Die PRU wird ab dem dritten Quartal nicht mehr unter Corporates & Markets ausgewiesen. Public Finance wird zusammen mit CRE im Bereich Asset Based Finance zusammengefasst.

Der Zinsüberschuss wuchs im Segment Commercial Real Estate (CRE) auf 265 Millionen Euro nach 222 Millionen Euro in Q1. Auf Grund der aktiven Reduzierung des Neugeschäfts verringerte sich der Provisionsüberschuss gegenüber Q2 2008 um 21% auf 78 Millionen Euro. Insbesondere in den USA und Spanien verzeichnete CRE weitere Wertberichtigungen. Die Risikovorsorge hat sich auf Grund der anhaltend schwierigen Marktlage von 189 Millionen Euro im ersten Quartal auf 318 Millionen Euro in Q2 erhöht. Das operative Ergebnis lag bei minus 171 Millionen Euro nach minus 53 Millionen im Vorquartal.


Strutz: "Wir liegen im Plan und arbeiten die "Roadmap 2012" Schritt für Schritt ab"

"Wir liegen im Plan, konzentrieren uns auf die nachhaltig profitablen Kerngeschäftsfelder und arbeiten die "Roadmap 2012" Schritt für Schritt ab. Das heißt: Die Bilanzsumme wird reduziert. Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, werden abgegeben. Risiken werden abgebaut", sagte Eric Strutz, Finanzvorstand der Commerzbank. "Für die zweite Jahreshälfte wird sich das durchschnittliche Rating der Kreditnehmer konjunkturell bedingt verschlechtern, die risikogewichteten Aktiva können dadurch tendenziell steigen. Mit der mittelfristig erwarteten wirtschaftlichen Erholung werden wir Wertaufholungspotenziale realisieren."

Die Kosten für die Integration der Dresdner Bank dürften in 2009 rund 2 Milliarden Euro betragen, davon rund 1,7 Milliarden Euro Restrukturierungsaufwand und rund 300 Millionen Euro im Verwaltungsaufwand. Eine Prognose für das Gesamtjahr 2009 ist wegen der anhaltend schwierigen Märkte nach wie vor nicht möglich. Unter normalen Marktbedingungen kann 2012 mit der Rückzahlung der stillen Einlagen des SoFFin begonnen werden, bei einer positiven Marktentwicklung bereits ab 2011. Die Commerzbank erwartet unverändert, 2012 ihr mittelfristiges Ziel einer Eigenkapitalrendite von 12% nach Steuern zu erreichen.

"Die ersten Maßnahmen unserer "Roadmap 2012" haben wir bereits erfolgreich eingeleitet. Dazu gehört auch der im Juli erfolgte Verkauf von Tochtergesellschaften. Die Zahl der Vollzeitstellen wurde in der Commerzbank-Gruppe im Rahmen der Integration bereits um gut 1.800 reduziert. Damit sind wir schneller als geplant vorangekommen", sagte Strutz. Insgesamt sollen wie vorgesehen 9.000 Vollzeitstellen, davon 6.500 im Inland, abgebaut werden. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen hat die Bank in Deutschland bis mindestens Ende 2011, bei Erreichen der vereinbarten Ziele sogar bis Ende 2013 ausgeschlossen.



Auszug aus der konsolidierten Gewinn- und Verlustrechnung

in Mio € Q2
2009
Q1
2009
Ver-
änderung
Q2
2008 1)
Zinsüberschuss 1.838 1.692 9% 1.762
Risikovorsorge - 993 - 844 18% - 488
Provisionsüberschuss 947 850 11% 1.205
Handelsergebnis 93 - 523 - - 246
Ergebnis aus Finanzanlagen 172 386 55% 1
Sonstiges betriebliches Ergebnis 5 - 71 - 52
Verwaltungsaufwand 2.263 2.081 9% 2.417
Operatives Ergebnis - 201 - 591 66% - 131
Wertminderungen (Goodwill) 70 - - -
Restrukturierungsaufwand 216 289 25% -
Steuern 276 8 - - 388
Commerzbank-Aktionären
zurechenbarer Konzernüberschuss
- 746 - 861 13% 200
Gewinn je Aktie in Euro - 0,76 - 1,02 25% 0,31
Operative Aufwandsquote in % 74,1 89,2 - 87,1

1) auf Pro-Forma-Basis

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