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31. März 2003

Commerzbank: Ergebnisse 2002

  • Nur noch 4,5 Mrd Euro Kosten in 2004
  • Eine Milliarde Euro mehr Kredit an den Mittelstand
  • Privatkundengeschäft wieder mit schwarzen Zahlen
  • 0,10 Euro Dividende je Aktie für 2002
  • Zwei neue Vorstände


Der Vorstandssprecher der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, hat dem Aufsichtsrat auf seiner heutigen Bilanzsitzung die Beschlüsse zur "Kostenoffensive Plus" vorgestellt. Durch dieses neue Sparprogramm mit insgesamt 650 Einzelmaßnahmen werden die Kosten der Bank im laufenden Jahr unter 5 Mrd Euro (2002: 5,15 Mrd Euro) gedrückt. Im kommenden Jahr sollen die Kosten nur noch bei 4,5 Mrd Euro und damit auf dem Niveau des Jahres 1999 liegen. Gegenüber dem Höchststand aus 2001 entspricht dies einer Kostenreduktion von fast einem Viertel. Der Vorstand reagiert mit den umfangreichen Kürzungen in Höhe von kumuliert 688 Mio Euro - davon 460 Mio Euro bereits in 2003 wirksam - auf die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen des Bankgeschäfts in Deutschland. Das Einsparvolumen verteilt sich zu 381 Mio Euro auf Personal- und zu 307 Mio Euro auf Sachkosten.


3.100 Arbeitsplätze weniger durch Kostenoffensive Plus

  • Im Inland, vor allem in den beiden Unternehmensbereichen Konzernsteuerung und Services der Zentrale, kommt es zum Abbau von weiteren 1.500 Arbeitsplätzen. Betroffen sind alle Stabsabteilungen, die IT- und Back Office-Bereiche und sonstige Zentrale-Abteilungen. Alle Kürzungspläne sind noch mit den internen Gremien abzustimmen. Die Bank wird hierzu umgehend Gespräche aufnehmen.
  • In den ausländischen Filialen und Tochtergesellschaften fallen 1.100 Stellen weg.
  • Der Abbau weiterer 500 Stellen wird derzeit verhandelt oder ist bereits abgeschlossen, vor allem im Investment Banking.
  • Bei den Sachkosten kommt es insbesondere zu einer Kürzung bei den Ausgaben für Informationstechnologie (118 Mio Euro) sowie bei den Raum-, Werbe- und Beratungskosten.


Müller kommentierte die Personalbeschlüsse mit den Worten: "Es trifft uns persönlich sehr, dass wir uns nochmals von vielen Mitarbeitern trennen müssen, denn hinter diesen Zahlen verbergen sich jeweils Einzelschicksale. Aber angesichts der rasanten strukturellen Veränderungen des Bankgeschäfts und des weiteren Rückgangs der Nachfrage nach Bankdienstleistungen bleibt uns keine andere Wahl, um dadurch die übrigen Arbeitsplätze sicherer zu machen. Allerdings wird es diesmal kaum möglich sein, wie bisher durch natürliche Fluktuation oder den aktiven Einsatz von Altersteilzeit und Vorruhestand auf betriebsbedingte Kündigungen völlig verzichten zu können."

Bislang wurden im Zuge der Kostensenkungsmaßnahmen rund 4.300 Arbeitsplätze abgebaut. Nach Abschluss der neuen Kürzungen im Laufe des Jahres 2004 wird der Commerzbank-Konzern etwa 32.000 Mitarbeiter beschäftigen; Ende 2001 waren es noch fast 39.500 gewesen. "Mit der Kostenoffensive Plus müssen wir uns noch schlanker und fitter machen, um unser Ziel, in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben, tatsächlich zu erreichen", bekräftigte Müller seine Prognose für 2003. Wie er dem Aufsichtsrat berichtete, war die Entwicklung im Januar/Februar insgesamt positiv. Insbesondere die Ergebnisse aus dem Group Treasury und dem Investment Banking zeigten sich deutlich verbessert.


Neue Initiativen im Kreditgeschäft für Mittelstand und Bauherren

In seinen strategischen Ausführungen berichtete Müller dem Aufsichtsrat, dass die Commerzbank nach dem forcierten Rückgang der Risikoaktiva im vergangenen Jahr und der starken Verbesserung der Kernkapitalquote auf mehr als 7,3% neuen Spielraum im Kreditgeschäft gewonnen habe. Diesen wolle sie jetzt auch nutzen. Deshalb habe der Vorstand entschieden, mit einer neuen Kreditoffensive ein Zeichen zu setzen und den erfolgreichen deutschen Mittelstand in einer ersten Tranche mit zusätzlichen Ausleihungen von einer Milliarde Euro zu unterstützen.

Zur Expansion im mittelständischen Kreditgeschäft sollen auch das mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau vereinbarte zinsverbilligte Globaldarlehen über 500 Mio Euro und ein ähnliches Programm mit der baden-württembergischen L-Bank über 250 Mio Euro beitragen. Insgesamt stellt die Commerzbank dem Mittelstand somit fast 1,8 Mrd Euro zusätzliche Kreditmittel zur Verfügung. "Die Commerzbank beweist damit, wie sehr sie sich dem Mittelstand in Deutschland verpflichtet fühlt", fasst Müller das Engagement der Bank zusammen.

Eine weitere Initiative hat die Bank Anfang März zur Förderung des selbst genutzten Wohnungseigentums gestartet. Dazu hat sie ebenfalls mit der KfW ein Globaldarlehen über 1,5 Mrd Euro vereinbart, das - unter vollem Kostenvorteil aus der Refinanzierung - in maßgeschneiderter Form als Baufinanzierungsdarlehen an Privatkunden weitergereicht wird.
"Wir versprechen uns durch dieses Programm zusätzliche Marktanteile in der Wohnungsbaufinanzierung, da wir den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu besonders günstigen Konditionen erfüllen können", sagte Müller.


Dividende als Ausdruck der Zuversicht

Der Aufsichtsrat hat auf der Bilanzsitzung den Jahresabschluss 2002 gebilligt. Den 361.000 Aktionären der Commerzbank wird auf der Hauptversammlung am 30. Mai eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie vorgeschlagen. Die hierzu erforderliche Ausschüttungssumme von 54,2 Mio Euro wird aus dem Bilanzgewinn der AG gezahlt. Die Inhaber von Genussscheinen werden voll bedient.
Mit diesem Dividendenangebot äußert die Bank auch ihre Zuversicht, dass 2003 die Wende zum Besseren erfolgt.


Details der Segmentberichterstattung

Die nunmehr endgültigen Zahlen für 2002 entsprechen den am 5. Februar auf einer Pressekonferenz vorgestellten Angaben größtenteils. Danach musste der Commerzbank-Konzern - bei einer Bilanzsumme von 422 Mrd Euro - im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresfehlbetrag von 298 Mio Euro hinnehmen. Das operative Ergebnis war mit 192 Mio Euro positiv. Darauf errechnet sich eine Eigenkapitalrendite von 1,6% bei einer gegenüber dem Vorjahr leicht verbesserten Aufwandsquote von 77,3%.

Die Segmentberichterstattung (Seiten 120 - 127 des Geschäftsberichts) enthält erstmals für die einzelnen Geschäftsfelder (GF) kein "mitverantwortetes Ergebnis" mehr, vielmehr werden solche Erträge nunmehr direkt aufgeteilt. Bemerkenswert ist insbesondere, dass das GF Private Kunden nach einem Verlust im Jahr zuvor mit einem operativen Ergebnis von 53 Mio Euro wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist. Das GF Asset Management blieb zwar operativ ebenfalls leicht im positiven Bereich, musste aber nach hohen Sonderbelastungen und Goodwill-Abschreibungen im Vorsteuerergebnis ein Minus von 330 Mio Euro hinnehmen. Eine hohe Risikovorsorge beeinträchtigte das Ergebnis des Segments Firmenkunden und Institutionen. Es erzielte gleichwohl wieder das höchste absolute Ergebnis aller Geschäftsfelder; Eigenkapitalrendite und Aufwandsquote lagen bei 8,5% beziehungsweise 45,9%. Das GF Securities einschließlich Devisenhandel litt stark unter der Baisse an den Aktienmärkten, wie sich an dem operativen Minus von 296 Mio Euro zeigt.


Teller und Dr. Strutz rücken in Vorstand auf

Außerdem hat der Aufsichtsrat zwei neue Vorstandsmitglieder bestellt:

  • Mit Wirkung zum 1. April Nicholas R. Teller (43), bislang als Regionalvorstand Firmenkunden für Norddeutschland und Skandinavien zuständig. Der britische Staatsbürger übernimmt die Verantwortung für das gesamte Firmenkundengeschäft von Andreas de Maizière, der sich künftig im Vorstand den Bereichen IT, Operations, Transaction Banking und Filialorganisation widmet sowie die Funktion des Arbeitsdirektors übernimmt.
  • Dr. Eric Strutz (38), Leiter des Zentralen Stabs Konzernentwicklung/Konzerncontrolling, wird neuer Finanzvorstand (CFO), sobald die Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vorliegt. Er wird Nachfolger von Dr. Axel Frhr. v. Ruedorffer (61), der mit der diesjährigen Hauptversammlung altersbedingt ausscheidet. Die Zuständigkeit für die Umsetzung der Kostenoffensive übernimmt dann Klaus Patig.


Mit diesen Ernennungen verjüngt die Commerzbank ihren Vorstand wesentlich und holt zwei ausgewiesene Fachleute in die Führungsspitze. "Die Bestellung von Teller und Dr. Strutz ist ein deutliches Zeichen dafür, dass wir langfristig planen und die Wiedererlangung einer nachhaltigen Ertragskraft fest im Visier haben", kommentierte Müller die beiden neuen Gesichter im Vorstand.

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