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01. September 2000

Commerzbank intensiviert europäische Zusammenarbeit
und stärkt Kapitalbasis

Die Commerzbank, die italienische Assicurazioni Generali, Triest, und deren deutsche Tochtergesellschaft AMB Aachener und Münchener Beteiligungs-AG haben sich in einem neuen Rahmenabkommen auf eine substanzielle Vertiefung ihrer seit November 1998 bestehenden Vertriebskooperation verständigt. So werden als Antwort auf den einheitlichen europäischen Finanz- und Währungsraum, der ab 2002 mit der Ausgabe von Noten und Münzen vollendet wird, vor allem im Asset Management die strategischen Interessen der Partner enger zusammen geführt. Erste konkrete gemeinsame Schritte im Private Equity und im International Private Banking sind geplant. Die Entwicklung und das Portfolio Management neuer, innovativer Produkte erfolgen künftig in Abstimmung. Größere Akquisitionen werden mit der Zielsetzung geprüft, einen gemeinsamen Erwerb anzustreben.

Im Privatkundengeschäft sollen durch eine Intensivierung der Vertriebsaktivitäten in Deutschland die gegenseitigen Geschäftspotenziale schneller und umfassender erschlossen werden. Hierzu entstehen zunächst an den größeren Standorten der Commerzbank sowie der Aachener und Münchener-Gruppe (AM-Gruppe) sogenannte Kompetenzzentren. In den Commerzbank-Filialen werden Spezialisten der AM-Gruppe arbeiten, die in Zusammenarbeit mit den Filialmitarbeitern eine optimale Betreuung der Commerzbank-Kunden in allen Versicherungsfragen gewährleisten. Hinzu kommt eine Beratung rund um das Bausparen und die private Baufinanzierung. Es ist vorgesehen, dass im Laufe der nächsten drei Jahre zunächst an bis zu 500 Standorten der Commerzbank 650 Berater der AM-Gruppe tätig werden. Umgekehrt entstehen auf der Versicherungsseite "Banking Center" an 250 Standorten der AM-Gruppe, in denen spezialisierte Mitarbeiter die Versicherungskunden in Bankthemen mit Schwerpunkt Anlage- und Vermögensberatung betreuen. Ferner werden dort Bau- und Konsumentenkredite sowie Zahlungsverkehrsleistungen angeboten.

Um die enge geschäftliche Zusammenarbeit zu flankieren, plant die Commerzbank eine Kapitalerhöhung in verschiedenen Tranchen im ausmachenden Betrag von insgesamt mehr als 2 Mrd Euro, durch die das Eigenkapital von 11,8 Mrd Euro auf rund 14 Mrd Euro steigt. Nach Abschluss der Transaktion wird Generali einen Anteil von knapp 10% an der Commerzbank halten. Ferner wird Mediobanca, die bedeutendste italienische Investmentbank, weitere Commerzbank-Aktien übernehmen und ihren Anteil auf 2% erhöhen. Künftig befindet sich gut ein Fünftel des Commerzbank-Kapitals in den Händen befreundeter Finanzpartner im Ausland.

Im ersten Schritt wird Generali zu einem eng am Börsenkurs orientierten Preis circa 17 Millionen Aktien gegen Barzahlung und weitere rund 9 Millionen Aktien gegen Übertragung von 30 Millionen Aktien des spanischen BSCH (Banco Santander Central Hispano) als Sacheinlage übernehmen. Die Beteiligung der Commerzbank am BSCH erhöht sich dadurch auf 2,3%.

"Die Kapitalerhöhung unterstreicht die neue Qualität unserer europäischen Partnerschaften. Sie sichert uns den erforderlichen Spielraum für die Fortsetzung unserer dynamischen Entwicklung in Deutschland und Europa", sagte Martin Kohlhaussen, Sprecher des Vorstands der Commerzbank. Oberste Priorität habe der weitere Ausbau der grenzüberschreitenden Geschäftsverbindungen, insbesondere in den Ländern der Eurozone. Aber auch Akquisitionen, vorzugsweise im Asset Management innerhalb und außerhalb Eurolands seien in Vorbereitung. In Deutschland strebe die Commerzbank Marktanteilsgewinne sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft an. Dabei stehe der weitere Ausbau der elektronischen Vertriebswege im Vordergrund.

Der BSCH und die Commerzbank befinden sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine weitere Tranche der Kapitalerhöhung, teils gegen Barzahlung, teils gegen Sacheinlage. In diesem Zusammenhang beabsichtigt die Commerzbank, die voll im Besitz des BSCH befindliche CC-Bank AG, Mönchengladbach, zu erwerben. Die CC-Bank ist mit rund einer Million Kunden in Deutschland einer der Marktführer im Konsumentenkreditgeschäft mit Schwerpunkt Autofinanzierungen.

Kohlhaussen betont ferner die grundsätzliche Notwendigkeit, das Eigenkapital an das steigende Geschäftsvolumen anzupassen. Außerdem wolle die Commerzbank die Voraussetzungen für eine Zulassung als Financial Holding Company in den USA schaffen. Ihre Zielmarke sei deshalb eine Kernkapitalquote von 6,5%; gegenwärtig liege diese bei knapp 6%.

Mit Blick auf die enge Kooperation mit Generali weist Kohlhaussen darauf hin, dass die AM-Gesellschaften mit 13,5 Millionen Kunden und die Commerzbank mit circa 4 Millionen Privatkunden nach offiziellen Studien in 25% der deutschen Haushalte vertreten sind. Diese starke Marktpräsenz solle jetzt konsequent genutzt werden. "Über die neuen Vertriebsstrukturen sowie die Intensivierung der direkten Zusammenarbeit vor Ort soll bereits nach drei Jahren ein erstes Etappenziel erreicht werden: die gemeinsame Erschließung von einer Million Neukunden", äußert sich Kohlhaussen zuversichtlich.

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